BRIEF_KASTEN
Apfel und Birne. Mit Putz und Stängel werden sie von den Wenigsten verzehrt. Im Gehäuse nämlich, da sitzen die Kerne. So hat es die Natur vorgesehen: Im besten Teil der Pflanze – in der Frucht – liegt der Zukunftskeim. Naturwissenschaftler werden einwenden: Es gibt auch die Vermehrung mithilfe von Stecklingen. Sogar aus ihren Wurzeln kann eine Pflanze junge Triebe ansetzen – aber irgendwie ist das ein Weiterwachsen einer bestehenden Pflanze. Aus dem Kern aber erwächst eine ganz neue Generation. Jedes Mal beim Hineinbeißen in einen Apfel wird man an diese Tatsache erinnert: Im Guten, im Besten sogar, in den Früchten steckt der Keim des Neuen. Es ist eine sanfte Erinnerung der Natur: Im Guten liegt Zukunft. Dort ist die Wachstumsstelle des Lebens. Wenn du an der Zukunft verzagst, schau nach bei den Früchten. Beim Guten also, das dich umgibt. Wer den Blick nur auf all das Bedrohliche lenkt, nur auf die Fäulnisstellen des Menschlichen schaut, auf das Saure und Fehlerhafte, wird schnell verzagen. Im Guten, in den Früchten, liegt der Hoffnungskern. Und auch bei Menschen, die manchmal recht knorrig daherkommen, kann man ihn finden: den guten Kern. Die letzten Früchte des Jahres werden heimgeholt. Mit ihnen die Kerne. Tausend- und millionenfach. Sie lässt sich nicht so schnell unterkriegen – die Hoffnung.
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