BRIEF_KASTEN
Jede menschliche Ei- oder Samenzelle trägt im Zellkern über 3 Milliarden Basenpaare, die den Bauplan eines Körpers enthalten. 2001 gab es erste Schlagzeilen, dass so ein Bauplan komplett dargestellt werden konnte. „Komplett“ war relativ – es fehlten „nur noch“ 200 Millionen Paare, von denen man annahm, dass sie keine wichtige Information weitergeben würden. Vorige Woche erneut Schlagzeilen, dass das Erbgut nun vollständig analysiert sei. Von einer hundertprozentigen Genauigkeit könne man in der Wissenschaft jedoch nie sprechen, schränkte der Genetiker Eugene Myers ein. Die Erfahrung zeigt: Jede Entdeckung eröffnet die nächsten Fragen. „Ich weiß das allermeiste von dem, was da geschrieben ist, nicht, und bin sogar meist außerstande, genauer zu verstehen, was da zu lesen ist“, beschrieb der große Theologe Karl Rahner an seinem 80. Geburtstag sein Verhältnis zur Naturwissenschaft, um es theologisch zu deuten: „Ich sage ‚Die Welt ist von Gott geschaffen‘, aber was Welt ist, davon weiß ich fast gar nichts.“ Vor 200 Jahren wurde der Augustinermönch und Vorläufer der Genetik, Gregor Mendel, geboren. Der heutigen Theologie täte ein engerer Austausch mit naturwissenschaftlichen Fächern gut.
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