BRIEF_KASTEN
Neulich war ich erstaunt, wie viele Fußballexpert:innen es hierzulande gibt – zumindest im Stadion. Ich besuchte das Länderspiel Österreich – Estland in Linz. Nach vergebenen österreichischen Chancen und einem Tor der Gäste kommt unter den Zusehern Kritik an der Heimmannschaft auf.
„Wir brauchen Spieler, die den Ball in ein leeres Tor schießen können“, wird hinter meinem Rücken gelästert. Ein anderer meint: „Die spielen wie Klaffer gegen Oepping.“ (Anmerkung: Liebe Fußballer:innen aus Klaffer und Oepping, das sind nicht meine Worte und ich distanziere mich davon.)
Inzwischen scheitern die Österreicher erneut im Strafraum der Esten. „Wenn man vor dem Tor steht, muss man eiskalt durchziehen“, weiß einer rechts von mir. Dann zeigen die Österreicher einen schönen Pass, ein Spieler trickst den estnischen Verteidiger geschickt aus, das sieht toll aus – doch der Tormann kann den sachte geschossenen Ball mit wenig Mühe fangen.
„Die Unsrigen wollen offenbar in Schönheit verlieren!“ – Wer hat das jetzt gesagt? Oh, oh, das war ja ich! Ich habe zwar kaum Ahnung von Fußball, habe die Abseitsregel nie verstanden und mein letztes Spiel im Turnunterricht bestritten, aber Gʼscheitwascheln und Lästern steckt an. Also streue ich hiermit Asche auf mein Haupt, gelobe Besserung und gratuliere „unseren Burschen“. Sie haben nämlich dann doch mit 2:1 gewonnen.
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