BRIEF_KASTEN
Nichts Besonderes los heute, sagt einer. Was sollte auch schon zu erwarten sein? Viele empfinden ihr Leben als eintönig. Mit Stillstand kommen Menschen schwer zurecht.
Von einem Tag auf den anderen – zwischen heute und morgen – merkt man von Veränderung kaum etwas. Blickt man jedoch zurück: unglaublich, was und wie schnell sich so vieles verändert hat. Es leben noch die Menschen, die ohne Autos aufgewachsen sind, die bei Petroleum-Licht gelesen haben. Ihre Briefe haben sie händisch geschrieben, auf Antwort lange gewartet.
Selbstbedienung in einem Geschäft? In Europa gab es das erst ab den Sechzigerjahren. Viel mehr Tiere lebten auf der Welt – und von Gegenden wusste man, in denen noch nie ein Europäer gewesen war. Ein Bauernhof mit 15 Kühen war ein stattlicher Betrieb. Was ein Smartphone kann, hätte man kaum jemandem erklären können – und wenn: Man hätte es nicht geglaubt.
All diese Veränderungen geschahen von Tag zu Tag, in einem ständigen Heute-auf-morgen, von dem Menschen dachten: Es ist nichts los! An keinem der Tage hätte man so recht sagen können, was sich gerade verändert. Und doch ist – innerhalb einer einzigen Lebensspanne – die Welt eine ganz andere geworden.
Und wird es wieder werden. Neue Tage werden kommen, ein Tag wird dem anderen folgen. Hineinhorchen und hineinfühlen muss man in seine Tage, was im Gange ist, sodass Menschen bewusster in das Morgen gehen. Sie sollen nicht einmal sagen müssen: Hätten wir es damals nur geahnt, wir hätten es nicht zulassen dürfen.
BRIEF_KASTEN
Jetzt die KIRCHENZEITUNG 4 Wochen lang kostenlos kennen lernen. Abo endet automatisch. >>