BRIEF_KASTEN
Alles steht da, wie es war. Auch die Tasse, die ich noch spülen wollte und dann doch vergessen habe. Nichts ist verschwunden, nichts dazugekommen. Bei einer Heimkehr von einer Reise erlebt man es so: Die alten Angelegenheiten sind nicht verschwunden, bloß, weil man sie für eine Weile vergessen hatte. Draußen aber ist vieles anders geworden: Das Gras steht hoch, manches ist verwelkt, anderes während der Abwesenheit erst ins Blühen gekommen. Eine Heimkehr ist eine interessante Angelegenheit. Sie zeigt: Es gibt den Bereich, der das eigene Zutun braucht. Wenn ich nichts tue, bleibt alles beim Alten. Es verschwindet nichts, es kommt nichts hinzu. Und es gibt die andere Seite: Sie zeigt den Wandel, der sich ohne eigenes Mitwirken vollzieht. Ein Wachsen und Welken, ein Werden und Vergehen. Eine Ermunterung und ein Trost liegen in dieser doppelten Erfahrung. Die Ermunterung: Suche das Deine, das gerade dein Tun braucht – sonst wird die Sache nichts. Der Trost: Du musst und brauchst nicht meinen, dass ohne dich gar nichts ginge. Vorerst heißt es einmal, die Tasse zu spülen. Auf lange Sicht gilt es, die Aufgabe zu finden – oder nicht aus dem Blick zu verlieren –, die nur ich erledigen kann. Meine Lebensaufgabe also. Sie soll nicht stehen und liegen bleiben wie eine vergessene Tasse.
BRIEF_KASTEN
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