BRIEF_KASTEN
Die Karwoche steht vor der Tür; es kommt Ostern, das höchste Fest der Christenheit. Was die Gesellschaft davon wahrnimmt, steht auf einem anderen Blatt. Pessimisten sagen, dass das jüdisch-christliche Erbe Europas verlorengehe. Stimmt das?
Sicher ist aus kirchlicher Sicht „das Glas nicht voll“. Leer ist es aber auch nicht. Das hat damit zu tun, dass sich weiterhin Menschen in der Kirche engagieren. Es gibt aber auch eine Verinnerlichung des christlichen Erbes. Wir sehen das zum Beispiel, wenn Menschen Geflüchtete aufnehmen oder anderweitig dem Nächsten Hilfe leisten, auch wenn sie selbst mit Gott und Glaube nichts anfangen können. Woher kommt das?
Hintergrund ist das jüdisch-christliche Menschenbild: Der andere, der Notleidende, hat eine unbedingte Würde (aus seiner Gottesebenbildlichkeit) und er verdient meine Solidarität (Nächstenliebe). Was wir als Menschenrechte im Staat kennen, ist durch die Differenzierung der Aufklärung gegangen. Die Wurzel ist aber religiös.
Hat die Säkularisierung also die Nächstenliebe belassen, aber die Gottesliebe ins Abseits gestellt? Auch das ist nicht so einfach: Es ist zu akzeptieren, wenn jemand nicht an Gott glaubt. Christ/innen kennen aber einen Gott, der Mensch wurde und sich auch über den Umweg der Mitmenschen lieben lässt: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“
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