BRIEF_KASTEN
Wenige Stunden nur hat es gedauert. Das Weizenfeld ist abgeerntet. Körner und Stroh sind eingebracht – und der Boden wird aufbereitet für eine nächste Saat. Ein einziger Tag nur ist Erntetag. Alle anderen Tage im Jahr muss „eingebracht“ werden in den Boden: die Saat, Dünger, Bodenpflege. Und vieles bleibt im Ungewissen: wie es mit Kälte und Regen wird, mit Hagel und Sturm.
Niemand wird sagen: Dieses Feld ist unfruchtbar, bloß weil man heute noch nicht ernten kann, weil also die Frucht noch nicht reif ist. Es ist klar: Auch der frisch gepflügte Acker, auf dem noch gar nichts steht, ist wertvoller Boden. Alles Mühen und alles Hoffen ist auf diesen einen Tag hin ausgerichtet, an dem Ernte sein wird.
Reifen braucht Zeit. Es braucht Pflege und Geduld. Vielleicht sollte man mit Menschen ebenso geduldig sein wie mit Feldern. Man erwartet von Menschen viel zu selbstverständlich, dass sie „liefern“ – und zwar jederzeit.
Man setzt auf ihre Leistungsfähigkeit und vergisst: Auch das Reifen der menschlichen Früchte braucht Zeit – und es ist nicht jeder Tag Erntetag. Man kann nicht von jedem Menschen das Gleiche erwarten, schon gar nicht zu jeder Zeit. Erntezeiten sind seltene Zeiten.
Geduld also und die Freude an Menschen, selbst wenn sie nicht ihre Höchstleistungen bringen: Beim Blick über abgeerntete Felder kann man es üben.
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