BRIEF_KASTEN
Zwiebel schneiden, andünsten. Die kleingeschnittenen Erdäpfelstücke dazu, aufgießen; würzen, am Schluss ein Schuss Rahm. Manche mögen geröstete Zwiebel darauf. Es braucht nicht viel für die gute Erdäpfelsuppe – eigentlich nur Zutaten, die man fast immer im Haus hat. Kochen also mit dem, was da ist.
Und das wäre ein gutes Lebensrezept: die Zutaten von dem zu nehmen, was da – oder in der Nähe zu haben ist. Aus der eigenen Umgebung also. Doch gerade dem Naheliegenden stehen viele skeptisch gegenüber. Wer jedoch meint, Gutes wäre nur anderswo zu finden, wird nirgends recht glücklich werden.
Wer mit seinem Umfeld immer nur unzufrieden ist, sei es die eigene Pfarre oder die Nachbarschaft, der Ort, an dem man wohnt, die Leute, mit denen man zusammenarbeitet, wer also meint, das Leben wäre anderswo auf jeden Fall interessanter, die Leute dort attraktiver, die Möglichkeiten besser, hat vielleicht seine eigene Umgebung noch nicht richtig kennengelernt – und ausgekostet.
Die Erdäpfelsuppe schenkt die Antwort: Wieviel Geschmack doch im Naheliegenden und im Gewöhnlichen steckt – wenn man sich darauf einlässt! Zubereiten muss man sie allerdings schon. Also: etwas tun dafür, damit sie auch schmeckt. Ein seiner Umgebung gegenüber ständig unzufriedener Mensch mag sich fragen, ob er denn selbst eine so tolle Zutat für die Suppe anderer Menschen ist.
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