BRIEF_KASTEN
Tausende Menschen im türkisch-syrischen Erdbebengebiet werden noch vermisst. Wer von ihnen nicht beim Einsturz erschlagen wurde, ist wohl in den Tagen und Wochen danach unter Trümmern verdurstet oder erfroren.
Kritik gibt es nicht nur an der langsamen Katastrophenhilfe, sondern auch an der Bauweise vieler Häuser, die trotz der Erdbebengefahr nicht erdbebensicher war. Entscheidend für die Stabilität ist nicht die Menge an Stahl und Beton, sondern die „Elastizität“ eines Hauses. Wie ein Baum die meisten Winde übersteht, nehmen sichere Häuser Schwingungen auf und geben nach, um nicht zu brechen. Beweglichkeit ist keine Schwäche, sondern Stärke.
Michail Gorbatschow wollte die Sowjetunion reformieren, elastischer machen, doch sie war zu starr. Deshalb zerfiel sie. Papst Franziskus will die Kirche mit dem synodalen Prozess elastisch und erdbebensicher machen. Starrheit ist gefährlich.
Beweglich müssen die Strukturen sein (das Kirchenrecht ist für die Kirche da, nicht umgekehrt), wie auch die Menschen. Vorauseilende und Vorsichtige brauchen einander. Den Skeptischen sei ein Gorbatschow-Zitat ans Herz gelegt: „Wir sollten keine Angst vor unserem Volk haben.“
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