BRIEF_KASTEN
So hat Stefan Zweig die Habsburgermonarchie vor dem Ersten Weltkrieg beschrieben – mit dem Wissen, dass dem Ersten Weltkrieg ein Zweiter folgte. Auch wenn geschichtliche Vergleiche hinken: Haben wir vor einem Jahr erwartet, was uns 2020 getroffen hat: eine weltweite Pandemie mit ihren sozialen Auswirkungen? Lebten nicht auch wir in Mitteleuropa in der Vorstellung, eine unverlierbare Sicherheit für unser Leben erreicht zu haben? Freilich war das Gefühl der Sicherheit zum Teil auf Sand gebaut. Erstens schloss es unzählige Menschen aus, die nicht denselben Lebensstandard hatten. Zweitens hat die Forschung uns daran erinnert, dass wir in einer „Risikogesellschaft“ (Ulrich Beck) leben. Das betrifft z. B. die Umwelt- und Klimakrise, die wir lange ignoriert haben. Corona können wir nicht ignorieren. Wo Risiko ist, ist aber auch eine Chance. Zum Beispiel die Chance zur Umkehr im Umgang mit dem Mitmenschen und dem Planeten. Und die Chance, heuer Weihnachten jenseits von Kitsch und Konsum als das zu feiern, was es eigentlich ist: das Kommen Gottes in diese unruhige Welt zum Heil der Menschen.
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