BRIEF_KASTEN
Er ist ein zufriedener Mensch - zufrieden mit dem, was er hat, zufrieden damit, wie es seinem Alter entsprechend um die Gesundheit steht, zufrieden auch mit den Umständen, unter denen er lebt. Er darf sich glücklich schätzen. Und: Es ist ein Glück, in einem Umfeld zufriedener Menschen leben zu dürfen, wo nicht nur genörgelt, gepoltert und gejammert wird.
Doch es gibt eine Form der Zufriedenheit, die so gar nicht zum Frieden neigt. Die Selbst-Zufriedenheit nämlich, die sich mit dem eigenen Glück und Wohlbefinden zufrieden gibt. Hauptsache, es geht mir gut, sagt sie. Ihr Glück ruht auch im Wegschauen und Fernhalten von allem, was den guten Seelenfrieden stören könnte.
Christinnen und Christen feiern Christi Himmelfahrt. Sie wagen – symbolhaft gesprochen – den Weg durch die Himmelstür. Zufriedenheit sehen sie als Gefolgsleute Jesu nicht mehr im vorrangigen Blick auf sich selbst und das eigene Wohl, sondern in der Zuwendung zum Nächsten. Es ist eine halbe, vielleicht sogar falsche Bescheidenheit, wenn jemand sagt: Ich bin zufrieden mit dem, was ich habe – wenn dazu nicht auch eine Antwort auf die andere Frage kommt: kann ich zufrieden sein mit dem, was ich gebe? – ich also auch Teil des Glückes anderer bin?
In einer Zeit überbordender Unzufriedenheiten könnte das ein Schlüssel sein: Achten wir mehr darauf, was zu geben wir in der Lage sind, als ständig zu beklagen, was wir nicht haben. Da würden sich im Miteinander der Menschen Türen öffnen. Wer weiß, vielleicht sogar die Himmelstür.
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