BRIEF_KASTEN
Es sind zwei ihrer Schlüsselgestalten, derer die Kirche am 29. Juni gedenkt: Petrus und Paulus. Ersterem hat Jesus sogar die Schlüssel des Himmelreichs anvertraut: Was du binden wirst, wird gebunden sein. Was du lösen wirst, wird gelöst sein. Diese Zusagen – oder ist es ein Auftrag? – gibt er Petrus mit auf den Weg.
Binden und lösen also. Das sind die „Schlüssel“. Viel zu lange hat man mit dem Petrus-Schlüssel nur das Versperren verbunden. Geworden daraus ist unter dieser Fehldeutung eine Kirche, die alles, was Lebensfreude wecken könnte, mit Verbotsschildern versah. Das Leitungsamt wurde mit Willkür verknüpft und zu manchen Zeiten schienen die Petrus-Nachfolger den Schlüssel überhaupt „verlegt“ zu haben.
Binden ist etwas anderes als Versperren. Die Verbindungslosigkeit ist ein besorgniserregendes Phänomen unserer Zeit geworden. Verbindung fördern. Das Miteinander stärken. Sich auf andere Menschen einlassen. Solches zu wagen, öffnet den Weg zum Leben, es verbaut ihn nicht.
Und dann: lösen. Auch das ist ein Kernauftrag Jesu an Petrus. Aus den Verstrickungen des Lebens, aus Schuld, aus psychischen Zwängen und aus Konsumzwängen, aus dem Irrglauben, darin das Lebensglück finden zu können, aus Verfeindungen und aus den vielen Formen des Leidens. Wie gut, wenn es ein Lösen gibt. Erlösung sogar.
Petrus hat von Jesus diesen Auftrag bekommen. Kümmere dich darum, dass Menschen ins Leben finden. Nimm den Schlüssel, suche ihn, wenn du ihn verlegt hast. Öffne ihnen den Himmel.
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