BRIEF_KASTEN
Der Sommer ist so gnadenlos. Alles wird offen gelegt. Die hohen Temperaturen fordern ihren Tribut. Menschen gewähren jetzt Ein- und Ausblicke, um die man sie gar nie gebeten hat. Egal ob in der Straßbahn oder im Kirchenraum: Alt und jung präsentieren den eigenen Körper und viel nackte Haut in allen Farbschattierungen.
Wie bei allen Dingen im Leben kommt es halt immer auf den Kontext an, finde ich. Denn was im Strandbad okay ist, geht halt im Büro oder Konzertsaal nicht. Dass junge Menschen ganzjährig mit nabelfreien Shirts durch die Gegend laufen, daran habe ich mich schon gewöhnt. Mit Hotpants im Kirchenraum tu ich mir nach wie vor schwer. Ich frage Sie ehrlich: Bin ich hoffnunglos veraltet? Engstirnig?
Apropos Strandbad: Auch hier kann man nichts vertuschen. Haben Sie bereits ihre Bikini-Figur oder zwängen Sie sich doch lieber in den Badeanzug? Stehen Sie stolz zu Ihren Rundungen und Ihren Schwangerschaftsstreifen oder kämpfen Sie jedes Jahr mit Ihren Fettpölsterchen? Ich kann Ihnen versichern: Sie sind damit nicht alleine! Und ich weiß von Männern, die ab einem gewissen Alter mit ihrem Bäuchlein vorwurfsvoll zu reden beginnen.
Zwischen Körperkult und Bodypositivity (den eigenen Körper positiv sehen) ist ein schmaler Grat. Und jedes Jahr stolpere ich erneut darüber – egal, ob im Bikini oder Badeanzug.
BRIEF_KASTEN
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