BRIEF_KASTEN
„Und alle Völker werden vor ihm versammelt werden und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet.“ So beginnt das „Gleichnis vom Gericht des Menschensohnes über die Völker“ im Matthäusevangelium (Mt 25, 31–46). Den Völkern also gilt das Urteil, nicht nur den einzelnen Menschen.
Es ist eines der großen Missverständnisse, dass Glaube bloß Angelegenheit einzelner Menschen sei. Im Gerichtsgleichnis nimmt Jesus klar die menschliche Gemeinschaft in die Verantwortung. „Ihr“ habt mir nicht zu essen gegeben, nicht nur „du“ hast es nicht getan, sagt er.
Darauf zielt die Botschaft: ob eine Gesellschaft, eine Generation, eine Stadt- oder ein Dorfgemeinschaft die Sorge um die Armen als gemeinsames Anliegen sieht und schafft, nicht bloß als Angelegenheit besonders gutherziger einzelner Menschen.
Die Gemeinschaft im Glauben kommt so nicht nur beim gemeinsamen Singen und Beten beim Gottesdienst, sondern ebenso im gemeinschaftlichen Handeln zum Ausdruck. Wo Menschen hungrig bleiben, ist das ein gemeinsames Versagen. Wo Fremde ausgeschlossen bleiben, eine gemeinschaftliche Verweigerung. Deshalb ist es so wichtig, dass sich Christinnen und Christen mit der Gottesbotschaft in das gesellschaftliche Leben einbringen.
Vielleicht würden die christlichen Gemeinschaften mehr an Kraft gewinnen, wenn sie dieses gemeinschaftliche Einstehen in den Bedrängnissen unserer Zeit als ihre Sache wahrnehmen würden – miteinander und in gemeinsamer Verantwortung.
BRIEF_KASTEN
Jetzt die KIRCHENZEITUNG 4 Wochen lang kostenlos kennen lernen. Abo endet automatisch. >>