BRIEF_KASTEN
Viele Jahrzehnte hatte „Professor Papst“ als Theologe gewirkt. Zunächst füllte der noch junge, schüchterne Joseph Ratzinger aus Bayern in Bonn die größten Hörsäle. Seine theologische Brillanz veranlasste den Kölner Kardinal Josef Frings, den gerade 35-Jährigen zu seinem Berater beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) zu machen. Ratzinger wurde an mehrere theologische Fakultäten berufen: Bonn 1959, Münster 1962, Tübingen 1966, Regensburg 1969.
1968 und danach. Erfahrungen im Zuge der „68er-Revolution“ schockierten ihn, er wandte sich daraufhin der Verteidigung der Tradition zu. 1977 wurde er Erzbischof von München und Freising, 1982 Präfekt der römischen Glaubenskongregation.
Als Papst Johannes Paul II. 2005 starb, wurde Kardinal Ratzinger zu seinem Nachfolger gewählt und entschied sich für den Papstnamen Benedikt XVI.
2013 fällte er eine Entscheidung, die ihm einen Platz in den Geschichtsbüchern sichert: Den ersten freiwilligen Amtsverzicht eines Papstes seit 718 Jahren – es war ein theologischer Befreiungsschlag und Sprengsatz zugleich. Den Bestrebungen aus Kurienkreisen, ihn gegen den Reformkurs seines Nachfolgers Franziskus auszuspielen, konnte sich Ratzinger als Altpapst nicht ganz entziehen.
In seiner Stellungnahme zum Münchner Missbrauchsgutachten Anfang des Jahres schrieb Benedikt XVI. schließlich, bald werde er vor „den ewigen Richter“ treten.
Tatsächlich sei der Emeritus körperlich schwach, so sein Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein, geistig aber klar und bei „typisch bayerischem Humor“.
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