BRIEF_KASTEN
Der Dreivierteltakt spielte beim Wiener Kongress eine politische Rolle, so ein Mythos des Gipfeltreffens der Jahre 1814 und 1815. Hunderte Herrscher, mächtige Damen und Gesandte aus Europa waren in Wien versammelt, um über die Aufteilung Europas „nach Napoleon“ zu beraten, statt zu schießen.
Wie meistens in der Geschichte waren die Ergebnisse ambivalent: Die Verhandlungen führten zu einer Phase des Friedens in Europa, aber auch zu neuer Macht für absolutistische Herrscherhäuser. Ob die vielen Kongress-Partys und der Walzertanz die Verhandlungen erleichtert oder verzögert haben, darüber streiten die Gelehrten. Dass aber getanzt wurde, ist legendär.
Die Aufregungskultur in den digitalen sozialen Medien bekam letzte Woche frisches Futter: Die finnische Ministerpräsidentin tanzte! Freilich keinen Walzer. Und auch nicht dienstlich, sondern privat. Es seien Drogen im Spiel gewesen, hieß es sofort, und überhaupt: So etwas tut eine Regierungschefin doch nicht!
Der Drogenverdacht ließ sich mit einem Test entkräften. Aber dass sich eine Politikerin dafür rechtfertigen muss, dass sie tanzt, zeugt von moderner Prüderie – die sonst gerne auf die Kirchen geschoben wird.
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