BRIEF_KASTEN
Wie ist das Ende? Wie geht es aus? Bei den Geschichten, die Menschen gewöhnlich einander erzählen, ist es so: Die Neugier zielt auf ihr Ende hin – dass es doch gut ausgehe. Das Ende ist es, an dem sich entscheidet, ob das Kind gut einschlafen kann und ob der Zuschauer zufrieden den Ausschaltknopf drückt.
Die Erzählungen von Ostern unterscheiden sich von solchen Geschichten gewaltig. Nicht an das Ende eines Geschehens führen sie, sondern an den Anfang. „Am ersten Tag der Woche“ – so erzählt es die Bibel – ereignete sich, was Maria von Magdala im dunklen und leeren Grab erlebte.
Der christliche Glaube ist also nicht ein Endzeitglaube, sondern ein Anfangsglaube. Er ermutigt zum „ersten Tag“. Die Ostererzählung will nicht erklären, wie die Sache mit Jesus endete, sondern was mit ihr nun möglich wird und beginnt. Solange Menschen auf der Erde leben, wird diese Geschichte nicht zu Ende sein. Nicht von der Abenddämmerung einer Spätphase des Christentums erzählt diese Geschichte, sie geht vielmehr dem österlichen Morgen, dem Anfang zu.
Ins Staunen führt sie, was nun alles möglich wird, wenn Menschen ihre Ängste zurücklassen, um sich mit dem Beispiel Jesu in diesen „ersten Tag“ zu wagen. Der spannendste Teil der Kirchengeschichte ist nicht jener, der hinter uns liegt, sondern der sich als Hoffnung vor uns öffnet.
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