BRIEF_KASTEN
Es beginnt unmerklich. Einer allein bildet noch keine Gruppe, doch sobald ein Zweiter dazukommt, wird es gefährlich. Noch hofft man, dass es anders kommt. Aber man hat eine Vorahnung. War es nicht erst vor zwei Tagen wie aus heiterem Himmel passiert?
Auch jetzt ist die Menge größer geworden. Die Menschen drängen zusammen, auch die vollbepackten Gefährte brauchen Platz, ihr Stahl ist härter als der menschliche Körper. Der Hintermann rückt bedrohlich nahe.
Schweiß rinnt einem unter der dicken Jacke den Rücken hinunter, doch sie auszuziehen lohnt sich nicht mehr. Ein Gefährt stößt gegen den Oberschenkel. Man dreht sich um, doch der Hintermann tut unschuldig.
Dahinter steht eine Frau: Nervosität und Ärger sind ihr ins Gesicht geschrieben. Die Person neben ihr, vielleicht ihr Ehemann, hat schon einen roten Kopf. Aggression liegt in der Luft, ohne dass ein Wort fällt. Wie schön wäre es jetzt zu Hause, wie friedlich! Doch das ist jetzt weit fort.
Da versucht einer vorbeizuschlüpfen. Scharf wird er in die Schranken gewiesen und nimmt den letzten Platz ein, was den Druck weiter erhöht. Gleich wird die Stimmung kippen, gleich passiert etwas ...
Doch dann kommt gerade noch rechtzeitig die Erlösung in Form einer Durchsage: „Wir öffnen für Sie in Kürze Kasse zwei.“
Der Druck schwindet, die Menge verteilt sich. Und vorne hat die Bankomatkasse endlich die Karte der Kundin akzeptiert.
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