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Schatzfund im Bezirk Freistadt

Prager Groschen, Mailänder Pegioni und Tiroler Kreuzer

Kunst & Kultur

Im Fundament eines Bauernhauses waren sie versteckt: 6.000 Silbermünzen, in Stoff eingeschlagen und in einen Tontopf gebettet.

Ausgabe: 45/2021
09.11.2021
Diese Nürnberger Pfennige sind Teil des Schatzfundes von 6.000 Silbermünzen im Bezirk Freistadt. Die Landes-Kultur GmbH wird sie nun restaurieren und beforschen.
Diese Nürnberger Pfennige sind Teil des Schatzfundes von 6.000 Silbermünzen im Bezirk Freistadt. Die Landes-Kultur GmbH wird sie nun restaurieren und beforschen.
© Michael Maritsch Fotografie

Dieser Schatzfund im Bezirk Freistadt aus dem Februar 2021 wird in den nächsten Monaten von der OÖ Landes-Kultur GmbH restauriert und beforscht.

 

Mehr als fünf Jahrhunderte blieb der Schatz unentdeckt, so geschickt wählte der Besitzer oder die Besitzerin der 6.000 Silbermünzen das Versteck in der heutigen Gemeinde Rainbach im Mühlkreis im Bezirk Freistadt. Bauarbeiten am Fundament eines Bauernhauses legten den Deckeltopf aus Ton schließlich frei, in dem die Münzen, in Stoff eingeschlagen, aufbewahrt worden waren. Wer die Person war, zu der der Schatz gehörte, ist unklar. Am ehesten war es der damalige Hofbesitzer oder eines seiner Familienmitglieder, wird vermutet. Dienstboten seien aufgrund des Umfangs auszuschließen, teilt die Landes-Kultur GmbH als nunmehrige Eigentümerin in einer Aussendung mit.

 

Großvieh oder kiloweise Safran

Der Fund stammt aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und besteht aus unterschiedlichen Münzsorten, die damals als Zahlungsmittel in Umlauf waren. Dazu gehören etwa Pfennige und deren Halbstücke, „Hälblinge“ genannt, der sogenannte „Prager Groschen“ im Wert von mehreren Pfennigen, oder der Mailänder Pegioni, im Volksmund nach dem Wappenbild „Schlangengroschen“ genannt. Auch einige Stücke des besonders hochwertigen Tiroler Kreuzers befanden sich im Tontopf. Alles in allem hätte man von dem Geld mehrere Stücke Großvieh oder einige Kilo des damals als Gewürz sehr beliebten Safran kaufen können. Laut OÖ Landes-Kultur GmbH gehört der Fund zu den umfangreichsten spätmittelalterlichen Komplexen aus einem bäuerlichen Milieu in Oberösterreich und darüber hinaus. Er soll nun in den nächsten Monaten restauriert und beforscht werden, wobei unter anderem der Gegenwert der Münzen festgestellt werden soll.

 

Die Bank im Boden

Geld anlegen konnte man im 15. Jahrhundert noch nicht, Sparkassen wurden erst im 19. Jahrhundert gegründet. Deshalb waren die Menschen darauf angewiesen, ihr Eigentum in einem sicheren Versteck zu verwahren. Meist behielten sie den genauen Ort dann auch für sich. Starben sie unerwartet, starb das Geheimnis mit ihnen. Im konkreten Fall im Bezirk Freistadt könnte es durchaus sein, dass die Münzen versteckt wurden, um zu verhindern, dass sie zur Kriegsbeute wurden. Die Region lag im Grenzgebiet zwischen den früheren habsburgischen Ländern und Böhmen und war im 15. Jahrhundert immer wieder Schauplatz von kriegerischen Auseinandersetzungen.

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