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„Im Prinzip sind alle Diäten blödsinnig“

Kunst & Kultur

Ernährungscoach Christian Putscher und Kabarettist Günther Lainer ziehen in ihrem neuen Bühnenprogramm „WurstSalat“ Ernährungsmythen durch den Kakao. Ein Gespräch über blödsinnige Diäten, persönliche Esssünden und Witze über Dicke.  
 

Ausgabe: 43/2018
23.10.2018
- Interview: Paul Stütz
Kabarettprogramm „WurstSalat“. Christian Putscher und Günther Lainer lösen manches Vorurteil zum Thema „Ernährung“ auf.
Kabarettprogramm „WurstSalat“. Christian Putscher und Günther Lainer lösen manches Vorurteil zum Thema „Ernährung“ auf.
© © Jan Frankl

Haben Sie den Eindruck, Herr Putscher, dass Ernährungsberater normalerweise als Spaßbremsen wahrgenommen werden, wenn sie etwa vorgeben, was beim Essen „nicht erlaubt“ ist?
Christian Putscher: Ich bin viel humoristischer, als es mein Fach vorgibt. Das Leben muss bis zu einem gewissen Grad Spaß machen. Essen muss Lustgewinn sein. Das will ich fördern.

Günther Lainer: Durch Christian Putscher habe ich erfahren, dass man über dieses Thema witzig reden kann. Man glaubt das vorher ja nicht. Wir haben uns vorgenommen, das Thema so zu gestalten, dass man genug erfährt, dass es aber kurzweilig und witzig bleibt. Das ist das Ziel für das Programm.

 

Darf man eigentlich Witze über Dicke machen, Herr Lainer?
Lainer: Wenn ich diese Witze über mich mache, ja. Wir werden übrigens nach Kilos bezahlt, ich kriege mehr als er. 


Wer ist denn der heiklere von Ihnen beiden?
Lainer: Das ist der Christian.

Putscher: Ich weiß, was ich mag. Das ist ein Unterschied zu heikel.

(In diesem Moment fährt ein Lebensmittel-LKW am Café vorbei, in dem das Interview stattfindet.)

Lainer: Jö, schau, da fährt ein LKW vom Leberkas-Pepi vorbei. Ma, ich hob schon wieder einen Guster. Der Christian isst übrigens keinen Leberkas.

Putscher: Stimmt, ich esse aber auch keine Avocado. 


Apropos Leberkäs: Ist der wirklich so ungesund?
Putscher: Vom Fettsäurenmuster ist er nicht schlechter als die Avocado, mit dem Vorteil, dass der Leberkäse zwölf Prozent Eiweiß hat.

Lainer: Und es kommt drauf an, wo man ihn reintut, in ein Semmerl oder in einen Kornspitz.

Putscher: Am besten wäre ein Vintschgerl. Die Einbettung ist entscheidend, nicht ein einzelnes Lebensmittel. 

Lainer: Beim Pikantleberkäs ist ein bisschen Gemüse drinnen.

Putscher: Pferdeleberkäse wäre mager, aber das ist ein ethisches Problem.

 

Wenn Sie sagen, Sie sind nicht heikel, wie weit würden Sie gehen: Würden Sie Insekten essen, Herr Lainer?
Lainer: Insekten geht sich gar nicht aus. Ich bin wahrscheinlich eh genauso heikel. Es gibt schon Sachen, die ich nie essen würde. Affenhirn zum Beispiel. Das muss man so aufklopfen, das würde ich nicht essen. 

Putscher: Hirn ist auch nicht so mein Ding, Leber mag ich schon gerne. Überhaupt alles, was so ein normales Tier hergibt. Wenn du auf einem Bauernhof aufwächst wie ich, dann lernst du diese wahren Dinge zu schätzen. Es ist außerdem alles eine Frage der Zubereitung. Es sollte mit Liebe gekocht sein.

Lainer: Ein paniertes Insekt ist was anderes als ein normales Insekt.

Putscher: Die Frage ist, ob Insekten sein müssen, aber Probieren geht über Studieren. Alleine wenn ich denke, was man beim Radlfahren schon an Insekten gegessen hat. 

 

Da gibt es also schon Vorerfahrungen?

Lainer: In Berlin wäre ich beim Radfahren einmal fast erstickt, da ist mir eine fette Fleischfliege in den Mund geflogen. Meine Kinder haben nur deppert gelacht. 


Gibt es eine Esssünde, die Sie öfter begehen?
Lainer: Ist eh klar, die KirchenZeitung kommt natürlich gleich mit der Sünde.
Putscher: Ich glaube nicht an Esssünden. Wenn Essen zur Religion wird, ist das eine Gefahr. Das schlechte Gewissen ist unser größtes Problem, was die Gesundheit anbelangt beim Essen. Das wollen wir in unserem Kabarettprogramm ein bisschen verbannen. 
Lainer: Ich glaube, meine Esssünden sind die Essenszeiten. Nach einem Auftritt habe ich keinen Hunger, aber ein bis zwei Stunden danach habe ich Hunger. Dann esse ich oft noch was – und oft das Falsche. Mein Problem ist auch: Wenn ich eine Esssünde begehe, dann gehe ich danach zum Fleischhauer beichten. 

 

Wie oft stellen Sie sich auf die Waage?
Lainer: Ich mache das täglich. Ich muss mich kontrollieren, ich bin ein kontrollierter Übergewichtiger. Ich mach das fürs Gewichthalten. 
Putscher: Ich selbst stelle mich nur bei der Gesundenuntersuchung drauf. 
Lainer: Er wiegt sich, um zu kontrollieren, dass er nicht verhungert. 
Putscher: Meine Erfahrung ist, dass die Waage neun von zehn Leuten nicht hilft, weil die macht sie praktisch abhängig. Die Waage darf nicht über das eigene Wohlbefinden entscheiden. 

 

Sie behandeln in Ihrem Programm Ernährungsmythen. Gehen wir schon jetzt ein paar durch: Eine lautet, dass das Streichen einer Mahlzeit beim Abnehmen hilft.
Lainer: Eine Mahlzeit zu streichen, hilft dir nur finanziell.
Putscher: Wenn ich abnehmen will, hilft nix essen natürlich. Aber das ist keine Lösung, siehe Magersüchtige. „Besser essen“ ist das Thema. Ich brauche Energie, um zu leben. Ohne Energie kein Leben.

 

Ist das tägliche Glas Rotwein empfehlenswert? 
Putscher: Die Devise „Trink Alkohol, weil er gesund ist“, ist ein Blödsinn.


„Wenn etwas gut schmeckt, spucken Sie es aus“, ist ein Spruch eines US-Fitnessgurus.  
Lainer: Was ist das für ein Schas? Das stimmt höchstens bei der Weinverkostung. 
Putscher: Der liebe Gott hat uns Geschmacksrezeptoren auf die Zunge gegeben. Das ist einer der wichtigsten Indikatoren, ob das Essen für uns passt. Es ist also genau umgekehrt wie in dem Spruch. 


Es gibt unzählige Diäten, die skurril sind, wie Steinzeitdiät, Blutgruppendiät …
Putscher: Im Prinzip sind alle Diäten ein kompletter Blödsinn. Eine Diät kennt mich nicht, mein Leben, meinen Lebensrhythmus. Eine Diät ist für einen Kleinstteil der Bevölkerung erfunden worden. Daraus die große Diätkampagne zu machen, ist der irre Wahnsinn. Der Einzige, der von einer Diät profitiert, ist derjenige, der das Diätbuch verkauft. 

 

Der Kabarettist Bernhard Ludwig hat die Abnehm­methode „Einen Tag normal essen, einen Tag nichts essen“ auf der Bühne propagiert. Was sagt der Ernährungsexperte dazu?
Putscher: Wir leben in Saus und Braus und glauben, das ist super, wenn wir was weglassen und 20 Stunden nix essen. Da müssten Kulturen, wo es so eine Mangelsituation gibt, glückliche und gesunde Völker sein. Sag das einmal Kindern in Kenia. Mangel ist das größte Gift für die Gesundheit. Wir wollen in unserem Programm wegkommen von den Diäten, hin zum echten Leben.



 

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