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Inhalt:
Reihe mit Lothar Schultes

Kampf zwischen Karneval und Fasten

alt & kostbar

Zu den bekanntesten Werken Pieter Bruegels gehört „Der Kampf zwischen Karneval und Fasten“. 

Ausgabe: 09/2022
01.03.2022
- Von Lothar Schultes
Heute würde man „Wimmelbild“ dazu sagen – ein Blick auf den Dorfplatz mit thematischem Schwerpunkt: „Der Kampf zwischen Karneval und Fasten“ von Pieter Bruegel d. Ä., 1559, Öl auf Eichenholz, 118 × 164,5 cm, Wien, Kunsthistorisches Museum.
Heute würde man „Wimmelbild“ dazu sagen – ein Blick auf den Dorfplatz mit thematischem Schwerpunkt: „Der Kampf zwischen Karneval und Fasten“ von Pieter Bruegel d. Ä., 1559, Öl auf Eichenholz, 118 × 164,5 cm, Wien, Kunsthistorisches Museum.
© Commons/Wikimedia

Das figurenreiche Bild spiegelt nicht nur den Gegensatz zwischen Genusssucht und Askese, sondern auch zwischen den christlichen Konfessionen. Die unterschiedlichen Auffassungen prallen in einem „Turnier“ aufeinander, in dem Prinz Karneval wie in einem Ritterspiel gegen Frau Fasten „kämpft“. Der Dickwanst sitzt auf einem Fass, als „Waffe“ dient ihm ein Spieß mit einem Schweinskopf, Wurst und Geflügel. Als „Helm“ trägt er eine Pastete. Frau Fasten sitzt hingegen auf einem Wägelchen, das von einem Mönch und einer Magd gezogen wird. Erschreckend alt und ausgemergelt, trägt sie ein härenes Büßergewand und auf dem Kopf einen Bienenkorb als Zeichen für Mäßigung und Fleiß. Auf ihrer „Waffe“, einer Backschaufel, liegen als Fastenspeise zwei Heringe. Die thematische Zweiteilung setzt sich im Hintergrund fort: Die beiden Wirtshäuser stehen für Vergnügen, Genuss, Ausgelassenheit und Ausschweifung, die Kirche für Umkehr und Buße.

Zeichen dafür sind etwa die Aschenkreuze auf der Stirn der Messbesucher/innen.

 

Andererseits zeigt Brueghel auf der Faschingsseite hinfällige, verstümmelte Bettler und Leprakranke, die mit Klapper und Glöckchen auf sich aufmerksam machen. Am erschreckendsten ist der Wagen mit der zugedeckten Leiche, der neben den spielenden Kindern über den Platz gezogen wird. Das Bild ist damit auch als Warnung zu verstehen. Die Protestanten hatten die Fastenzeit abgeschafft, da nach Ansicht Luthers weder Buße, Enthaltsamkeit noch gute Werke vor Gott rechtfertigen können, sondern allein die Gnade (Sola gratia). So meinte er im Sermon von den guten Werken: „Ich will jetzt davon schweigen, dass manche so fasten, dass sie sich dennoch vollsaufen; dass manche so reichlich mit Fischen und anderen Speisen fasten, dass sie mit Fleisch, Eiern und Butter dem Fasten viel näher kämen.“ Der Narr, der in der Mitte des Bildes am helllichten Tag mit einer Fackel unterwegs ist, könnte eine Anspielung auf jene „verkehrte Welt“ sein, in der sich die beiden Konfessionen zur Zeit Bruegels erbittert

 

Neue Reihe „alt und kostbar“ mit Lothar Schultes


Lothar Schultes (Bild) studierte in Wien Bildhauerei bei Wander Bertoni sowie Archäologie und Kunstgeschichte. Er arbeitete im Belvedere und der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt, ehe er 1985 ans OÖ. Landesmuseum kam, wo er bis zu seiner Pensionierung 2020 die Sammlungen Kunstgeschichte und Kunstgewerbe leitete.

 

Viele kennen Schultes von Vorträgen im „Deep Space“ des AEC. Er ist Autor und Künstler und gestaltet im Jahr 2022 für die KirchenZeitung die neue Reihe „alt und kostbar“. Hier wird er vorwiegend alte Kunst im Kontext des Kirchenjahres vorstellen.  befehdeten.

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Autor und Künstler Lothar Schultes gestaltet seit 2022 für die Kirchenzeitung die Reihe „alt und kostbar“. Dabei stellt er vorwiegend Alte Kunst im Kontext des Kirchenjahres vor. 

Lesen Sie alle Beiträge alt & kostbar

 

Lothar Schultes studierte in Wien Bildhauerei bei Wander Bertoni sowie Archäologie und Kunstgeschichte. Er arbeitete im Belvedere und an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt, ehe er 1985 ans OÖ. Landesmuseum kam, wo er bis zu seiner Pensionierung 2020 die Sammlungen Kunstgeschichte und Kunstgewerbe leitete. Viele kennen Schultes von Vorträgen im „Deep Space“ des AEC. 

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