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Kunstschätze in Oberösterreich

Das letzte Abendmahl

ALT_KOSTBAR

Das letztes Abendmahl aus der Gordian Guckh-Werkstatt stammt aus St. Radegrund und ist heute im Schlossmuseum zugänglich. 

Ausgabe: 14/2023
04.04.2023
- Lothar Schultes
Letztes Abendmahl, Gordian Guckh-Werkstatt (tätig 1506–1538/45), Lindenholz, alte Fassung, Linz, Schlossmuseum
Letztes Abendmahl, Gordian Guckh-Werkstatt (tätig 1506–1538/45), Lindenholz, alte Fassung, Linz, Schlossmuseum
© Landeskultur GmbH

Letztes Abendmahl – ein Werk aus St. Radegund: Über das letzte Mahl Jesu berichtet der Apostel Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther: „Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! [...]“ Mit ähnlichen Worten beschreiben auch die Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas das Ereignis, dessen Feier im Urchristentum eines der vier Kennzeichen christlicher Gemeinschaft war.

 

Bildliche Darstellungen waren bis etwa 1300 selten, erst mit Giottos Fresken in der Arenakapelle von Padua setzt in Italien eine Tradition ein, die in den großen Wandgemälden der Klosterrefektorien ihren Höhepunkt erreichte. Mehrere sind weltberühmt, vor allem Leonardo da Vincis „Cenacolo“ von 1495/97 in Santa Maria delle Grazie in Mailand.

 

Auch in der nordalpinen Kunst der Spätgotik wurde das Thema mehrfach aufgegriffen, etwa 1499–1505 von Tilman Riemenschneider im Heilig-Blut-Altar von Rothenburg ob der Tauber, wo das Abendmahl als vielfigurige Gruppe im Schrein zu sehen ist. Zwei Jahrzehnte später entstand ein kleines Hochrelief, das aus St. Radegund im Innviertel stammt und heute im Schlossmuseum in Linz zu sehen ist.

 

Christus wird von elf Aposteln umringt, während Johannes eingeschlafen an seiner Brust liegt. Diese Anordnung entspricht Dürers Holzschnitt der Großen Passion (um 1497), doch hält Jesus im Relief einen Kelch und reicht Judas das Brot in Form einer Hostie.

 

Auf dem Tisch steht, entsprechend dem Markusevangelium (Mk 14,12–16), ein großer Teller mit dem Paschalamm und deutet damit an, dass Jesus sich am Tag darauf wie ein Lamm am Kreuz opfern wird.

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Autor und Künstler Lothar Schultes gestaltet seit 2022 für die Kirchenzeitung die Reihe „alt und kostbar“. Dabei stellt er vorwiegend Alte Kunst im Kontext des Kirchenjahres vor. 

Lesen Sie alle Beiträge alt & kostbar

 

Lothar Schultes studierte in Wien Bildhauerei bei Wander Bertoni sowie Archäologie und Kunstgeschichte. Er arbeitete im Belvedere und an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt, ehe er 1985 ans OÖ. Landesmuseum kam, wo er bis zu seiner Pensionierung 2020 die Sammlungen Kunstgeschichte und Kunstgewerbe leitete. Viele kennen Schultes von Vorträgen im „Deep Space“ des AEC. 

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