In der Reihe Kunst & Geschichte_n stellt Experte Lothar Schultes Persönlichkeiten vor, die in Kunst und Geschichte wichtige Spuren in Oberösterreich hinterlassen haben.
Die abschlossene Reihe "alt & kostbar" finden sie hier.
Sie verantworten nun zum ersten Mal auch das heurige Programm der St. Florianer Brucknertage. Worauf legen Sie in der Programmgestaltung wert?
Peter Aigner: Natürlich geht es in erster Linie um Anton Bruckner und um diesen besonderen Ort, das Stift St. Florian mit seinem besonderen Ambiente, der Stiftsbasilika, dem Marmorsaal, der Sala terrena, aber auch den Hof des Stiftskellers darf man nicht vergessen. Beim Durchblättern des Programms für 2026 fällt vielleicht auf, dass im Vergleich zu früheren Jahren weniger Musik von Anton Bruckner am Programm steht, allerdings möchte ich speziell für heuer den Aspekt aufgreifen, dass Anton Bruckner aus Oberösterreich, hier gleich ums Eck, gebürtig aus Ansfelden, musikalisch die Welt erobert hat.
In Oberösterreich ist man generell stolz auf die vielen Tausenden aktiven Musikschaffenden: vom Profi im Orchester oder Hobbymusiker in der Musikkapelle bis zum Musikschüler. Wie sehen Sie das?
Aigner: Ja, gerade hier in Oberösterreich haben wir so viele international renommierte Künstler:innen, die bereits in jungen Jahren die musikalischen Bühnen eroberten: Katharina Wincor, die Dirigentin des Symphoniekonzerts, das Atalante-Quartett, das bei internationalen Wettbewerben erfolgreich reüssiert hat, und Alois Mühlbacher, der bei den St. Florianer Sängerknaben seine musikalische Ausbildung erfahren durfte. Speziell aus St. Florian stammen zudem das Eggner-Trio und Severin Trogbacher. Da handelt es sich vorwiegend noch um Musiker:innen der jüngeren Generation, die aber eben schon längst etabliert sind. 2027 wird es dann – soweit lehne ich mich jetzt schon hinaus – wieder mehr von Anton Bruckner zu hören geben.
Vom Atalante-Ensemble bis zu den „Well-Buam“, von der Geigenwerkstatt bis zum Bruckner-Symposium: das Programm ist vielfältig. Wen möchten Sie ansprechen?
Aigner: Wir sprechen alle Musikfreunde an, die einerseits Lust auf „klassische“ Konzertformate haben, andererseits auch offen sind für Musikkabarett. Die „Well-Buam“ haben mit Anton Bruckner vielleicht auf den ersten Blick wenig zu tun, da Bruckner aber auch über die Volksmusik als Tanzl-geiger musikalisch sozialisiert wurde, gibt es schon einige Querverbindungen – zumal der Trompeter der „Well-Buam“, Christoph „Stofferl“ Well, lange Zeit 1. Trompeter bei den Münchner Philharmonikern unter Sergiu Celibidache war. Die Geigenwerkstatt erlaubt interessierten Zusehern einen Blick in eine mobile Werkstatt von Johanna de Hoop und Franz Übelhör, zwei Geigenbaumeistern aus OÖ. Hier kann man beobachten, wie eine Geige entsteht, die dann bei den Symphoniekonzerten mit Bruckners 3. Symphonie neu erklingen wird.
Muss man Bruckner-Liebhaber sein, um zu den Brucknertagen zu kommen? Oder reicht schlicht der Wunsch, einfach gute Musik von guten Musiker:innen hören zu wollen?
Aigner: Man darf Bruckner-Liebhaber sein, muss es aber nicht. Die St. Florianer Brucknertage bieten allein schon durch den Veranstaltungsort eine ideale Voraussetzung, um sich Anton Bruckner und seiner Musik ohne Vorbehalte zu nähern. Die schon legendären „Nachbesprechungen“ nach den Konzerten im Stiftskeller von St. Florian, bei Bruckners Lieblingsgetränk, einem „Seiterl Bier“, runden die Konzertabende unseres Festivals mehr als würdig ab.
Sie leiten bereits mehrere Festivals und Organisationen: Wie gut gelingt es Ihnen, die verschiedenen Hüte (Aufgaben) zu tragen? Gibt es Synergieeffekte? Denken Sie über eine Zusammenführung von Brucknerbund Ansfelden und St. Florian nach?
Aigner: Die beiden Brucknerbünde von Ansfelden und St. Florian sind zwei eigenständige Vereine, das soll auch so bleiben. Allerdings gibt es die Idee von Kooperationen. So ist geplant, dass der Anton-Bruckner-Symphoniewanderweg zwischen Ansfelden und St. Florian im Rahmen der
St. Florianer Brucknertage gemeinsam erwandert wird. Diese Idee existierte zwar schon früher, allerdings machte uns damals die Pandemie einen Strich durch die Rechnung.
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