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Inhalt:
Paramentik der Marienschwestern in Linz

Abschied mit bleibenden Spuren

Kunst & Kultur

Unikate, so weit das Auge reicht: Die Mess-, Taufkleider und liturgischen Gewänder in der Paramentik der Marienschwestern in Linz sind  Maßanfertigungen. Mit 1. Oktober sperrt die Werkstatt zu. 

 

Ausgabe: 38/2022
20.09.2022
- Elisabeth Leitner
Sr. Pauline Angermayr blickt zurück. 
Sr. Pauline Angermayr blickt zurück. 
© Franz Litzlbauer

Die Tür zum Verkaufsraum geht ständig auf und zu. Zahlreiche Kund/innen betreten das Geschäft, lassen sich beraten, kaufen Stoffe, Garne, Reststücke. Die Messkleider sind schon fast alle weg. Ein Taufkleid wartet noch auf eine/n Abnehmer/in. „Wir stehen mitten im Abverkauf“, sagt die Leiterin der Paramentik Sr. Pauline Angermayr und wirkt zufrieden: „Er ist sehr gut angelaufen.“

 

Ende September ist Schluss mit einer Tradition, die seit 1870 hier gepflegt wurde: Die Paramentik der Marienschwestern sperrt zu. „Sie gehört zwar zu unserer Identität, aber nicht zur Ordensregel“, erkärt Sr. Pauline. Die Ordensfrauen verlassen Linz in den nächsten Wochen, das neue Mutterhaus ist in Bad Mühllacken. Mitte November wird dort die Altarweihe in der neu gestalteten Kirche gefeiert. Darauf ist alles ausgerichtet: Die Werkstatt und der Verkaufsraum in Linz werden geschlossen, das Kloster und bisherige Mutterhaus geräumt, das Inventar wird verkauft oder in die neue Wirkungsstätte mitgenommen. 

 

Jedes Kleid ist ein Unikat. In der Paramentik der Marienschwestern in Linz werden seit 1870 liturgische Gewänder gefertigt. Ende September ist damit Schluss.
In den letzten Jahren wurden vermehrt liturgische Gewänder für Pastoralassistent/innen und Diakone verkauft.
Schwester Clementine – hier mit einer Kundin.
Sr. Clementine Honeder und Sr. Pauline Angermayr vor der Paramenten-Werkstatt und dem Verkaufsraum. Noch bis 30. September ist Abverkauf, ab 1. Oktober für immer geschlossen.
Zwirn und Garn in allen Farben.
Dompfarrer Strasser zu Besuch in der Paramentik
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Stimmig

 

Schon vor einigen Jahren habe sich abgezeichnet, dass Veränderungen ins Haus stehen. Bis vor eineinhalb Jahren war dabei nicht klar, ob die Paramentik geschlossen oder doch an einem anderen Standort weitergeführt wird. „Für mich ist es stimmig, dass wir es jetzt so machen“, sagt Sr. Pauline, die keine Wehmut aufkommen lassen will. „Ich bin 1993 dazugekommen. Sechs Schwestern haben damals in der Paramentik gearbeitet.“ In Linz hat sie ihre Lehrzeit und ihre ganze berufliche Laufbahn verbracht, jetzt warten neue Aufgaben auf sie. Das Sticken wird sie aber nicht ganz sein lassen. „Ich mache es wieder zu meinem Hobby. Ich habe immer gerne gestickt, schon in der Volksschule“, erzählt sie. Ein paar Garne und ein paar ausgewählte Stoffe haben Sr. Pauline und ihre Mitschwester Sr. Clementine Honeder schon eingepackt. Messkleider werden aber keine mehr genäht, so viel ist klar. „Wir haben in Bad Mühllacken keinen Platz für eine Werkstatt.“ Taufkleider würden noch ein, zwei Jahre bestickt, wenn zum Geschwisterchen ein weiteres dazukommt, erzählt sie und blickt zurück:. „Wenn die Eltern oder Paten mit den Kindern hereingekommen sind und Taufkleider ausgesucht haben, das waren immer besondere Momente.“

 

Unikate

 

„Die Freude über ein eigenes, maßgeschneidertes liturgisches Gewand war jedes Mal groß“, erinnert sich Sr. Pauline an die Auftraggeber/innen: „Der Bedarf ist immer noch gegeben. Natürlich hat sich was verändert. Vor 30 Jahren sind mehr Messkleider für Priester verkauft worden.“ In den letzen Jahren seien vermehrt Pastoralassistent/innen und Diakone gekommen, die diese Unikate haben wollten. Mit bis zu zehn Stunden Näharbeit für ein Kleid muss man je nach Aufwand rechnen – „und die Stickarbeit ist ohne Ende!“, sagt Sr. Pauline lachend.

 

Bis zu fünf Teilzeit-Mitarbeiterinnen gab es. Fast unmöglich sei es heutzutage, noch Schneiderinnen zu finden. Dies sei mit ein Grund gewesen, die Werkstatt aufzugeben. Bis 30. September wird in der Rudigierstraße noch besondere Ware verkauft. Bleibende Spuren werden die Paramente hinterlassen, die in Verwendung sind – und das noch für viele Jahre, hofft Sr. Pauline. «

 

 

Kunsthandwerk bei den Marienschwestern in Linz


Die Ordensgemeinschaft der Marienschwestern vom Karmel gibt es in Linz seit 1861, seit 1920 wirken die Marienschwestern auch in Deutschland und seit 2002 in Uganda. Bischof Rudigier machte die Schwestern einst auf die Nöte der Zeit aufmerksam und wies ihnen so den Weg zu sozialen Aufgaben. Derzeit leben in Österreich 60 Schwestern an fünf Standorten. Angebote für Kontemplation, Gebet und Stille sowie Kneipp-Anwendungen, Fasten, bewusste Ernährung und Traditionelle Europäische Medizin sind Schwerpunkte der Marienschwestern und ihrer „Curhäuser“ Bad Kreuzen und Bad Mühllacken. 

 

Paramentik

 

Seit 1870 verdienen sich die Ordensfrauen ihren Lebensunterhalt u. a. mit der Herstellung und Restauration sakraler Textilien. Als Paramente werden Textilien für den gottesdienstlichen Gebrauch bezeichnet. Dazu gehören die Gewänder für Priester, Diakone und für alle Frauen und Männer, die einen liturgischen Dienst ausüben. In feiner Maßarbeit und kreativer Stickerei werden liturgische Kleider einzeln angefertigt: Alben und Tuniken, Messkleider, Ministrant/innenkleider, Taufkleider, Stolen, dazu Altartücher, Behänge, Fahnen, Baldachine. Für ein Messkleid wird circa ein Arbeitstag benötigt, dazu kommen noch die Stickereien, Kostenpunkt: 600 Euro und mehr. 


- Tel. 0732 77 56 54-14, E-Mail: paramentik@marienschwestern.at, www.marienschwestern.at

 

Tipp

 

In Oberösterreich gibt es seit 40 Jahren eine weitere Paramentik: die Benediktinerinnen vom Unbefleckten Herzen Mariens in Steinerkirchen. 
- Tel. 07241 22 16-235,  E-Mail: paramentik@benediktinerinnen.at

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