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So bekommen Kinder ein Gespür für Geld

LEBENS_WEISE

Je früher Eltern anfangen, Kindern den Umgang mit Geld beizubringen und sie dabei zu begleiten, desto selbstständiger sind diese dann später. Hierfür braucht es die richtige Mischung aus Versorgung und Grenzen.

Ausgabe: 03/2026
13.01.2026
- Lisa-Maria Hammerl
Je früher Kinder in Kontakt mit Geld kommen, desto eher bekommen sie ein Gefühl dafür.
Je früher Kinder in Kontakt mit Geld kommen, desto eher bekommen sie ein Gefühl dafür.
© Nadezhda1906/Adobe Stock

Je früher Kinder mit dem Thema Geld konfrontiert werden, desto eher bekommen sie auch ein Gefühl dafür. „Es ist gut, wenn Kinder ab sechs Jahren, also mit dem Erreichen des Schulalters, Taschengeld bekommen“, findet daher Familienberaterin Andrea Holzer-Breid von der Einrichtung Beziehungleben.at.

 

Für sie sei das Wichtigste, dass Kinder im Umgang damit selbstständig werden und die Eltern sie auf dem Weg dahin entsprechend begleiten, denn „Geld ist die Ressource, mit der sie sich ihr Leben finanzieren können“. 

 

Taschengeld als Einstieg


Das Taschengeld ist ein guter Einstieg dafür. Wie die Schuldnerhilfe informiert, gibt es jedoch keinen gesetzlichen Anspruch der Kinder auf Taschengeld. Es handelt sich um eine freiwillige Zuwendung vonseiten der Eltern. Möchten und können sie ihren Kindern Taschengeld geben, sind aber ob der Höhe unsicher, können Orientierungstabellen eine Hilfe sein. Diese findet man online (siehe Hinweis unten). Beispielsweise wird hier für Acht- bis Zehnjährige ein wöchentlicher Betrag von zwei bis drei Euro empfohlen.


Vereinbart werden sollte laut Familienberaterin Andrea Holzer-Breid und Thorsten Rathner von der Schuldnerhilfe OÖ, wofür das Taschengeld bestimmt ist: Was wird im Sinne der „Normalversorgung“ von den Eltern bezahlt, und wo steht es dem Kind frei, selbst zu entscheiden, wofür es Geld ausgeben möchte? „Sind diese Vereinbarungen getroffen, dann sollte das Kind keine Rechenschaft über seine Ausgaben ablegen müssen. Vor allem sollten diese von den Eltern nicht abwertend kritisiert werden“, rät Rathner.

 

Mehr Verantwortung


Mit der Höhe des Taschengeldes und dem Alter soll auch die Verantwortung des Kindes steigen, denn „Erwachsen werden bedeutet, dass die Eltern dem Kind schrittweise immer mehr Verantwortung geben. Sowohl in der Selbstversorgung – angefangen damit, sich selbst eine Jause zuzubereiten oder zu lernen, wie man Wäsche wäscht, bis hin zum Anruf beim Friseur – als auch beim Umgang mit Geld“, sagt Holzer-Breid. Diese Dinge geschehen nicht von selbst, sondern die Eltern müssen dies mit den Kindern besprechen und erarbeiten, betont die Beraterin. Dabei können im Falle von Geld bildliche Darstellungen hilfreich sein.

 

Wenn das Kind fünf Euro pro Monat bekommt, kann man dies in einen Kalender eintragen, sodass es sieht, es hat für jede Woche einen Euro verfügbar plus einen weiteren, den es zum Beispiel ins Sparschwein werfen kann. Ein Tipp seitens der Schuldnerhilfe lautet, das Taschengeld zur Finanzierung von Sonderwünschen zu verwenden, die die Eltern nicht erfüllen wollen oder können, etwa ein teures Smartphone-Modell.

 

Ähnliches kann für die Schuljause angewandt werden, sagt Rathner: „Das Kind kann sich aussuchen, ob es die Jause von daheim mitbekommt oder sich unterwegs versorgt. Die teurere Variante von Bäcker oder Schulbuffet muss es dann aber vom eigenen Geld bezahlen. Dadurch wird das Kind bewusster entscheiden, wie es seine finanziellen Mittel verwendet.“

 

Offen und ehrlich sein


Sollte die Frage auftauchen: „Warum bekommt Tobias aus meiner Klasse mehr Taschengeld als ich?“, rät Holzer-Breid zu Offenheit. „Kinder müssen lernen, wie die Welt tickt. Das heißt, man erklärt ihnen, dass einfach manche Eltern gemeinsam 5.000 Euro im Monat verdienen, andere 7.000  und manche 3.000 Euro.“

 

Kinder bzw. Jugendliche sollten wissen, mit welchem Gesamtbudget die Eltern haushalten müssen. Hier können wieder Bilder zum Einsatz kommen, etwa in Form eines Balken- oder Tortendiagramms, indem die Eltern einzeichnen, wie viel Geld für Wohnung, Heizung, Auto, Kleidung, Essen usw. benötigt wird.

 

Neben dem Einkommen bestimmt auch der Wille und die Einstellung der Eltern, was sie als gut oder ausreichend befinden. Anstatt also eine Rechtfertigung oder Ausreden zu suchen, sollten Eltern versuchen, Kindern verständlich zu machen, was hinter der (finanziellen) Entscheidung steckt. „Ehrlich mit dem Thema umzugehen, schafft Orientierung“, sagt Holzer-Breid.

 

Grenzen setzen


In ihrer Beratungstätigkeit begegnen ihr immer wieder Eltern, denen es schwerfällt, Grenzen zu setzen. „Kinder und auch Jugendliche müssen auch einmal anstehen, um zu lernen, dass man sich Geld einteilen muss“, sagt Holzer-Breid.

 

„Zu schnell ausgegebenes Taschengeld darf nicht wieder ersetzt werden“, sagt auch Thorsten Rathner. „Kindern wird sonst das Gefühl vermittelt, dass Geld unendlich verfügbar ist und zu schnelles Ausgeben keine Konsequenzen hat. Sinnvoll ist jedoch ein Gespräch darüber, wie es dazu kommen konnte.“

 

Für Holzer-Breid ist wichtig, dass Eltern ihren Kindern nicht mit Strafen, sondern Verständnis begegnen. Ein Beispiel: Spielt das Kind gerne Onlinespiele und überzieht dabei die Kreditkarte, muss man ihm vermitteln: „Wenn ich Geld ausgebe, dass ich (noch) nicht habe, muss ich es zurückzahlen.“

 

Auch wenn die Eltern die Rechnung vorerst übernehmen, das Kind muss das Geld auftreiben und den Eltern zurückgeben. Im Gespräch mit dem Kind helfe es, nachzuvollziehen, warum es reizvoll war, Geld im Onlinespiel auszugeben, und Suchtmechanismen zu besprechen. 

 

Kein Geld für gute Noten


Geld an Leistung, etwa gute Noten, zu binden, davon halten weder Familienberaterin Holzer-Breid noch Rathner von der Schuldnerhilfe etwas. „Noten sagen nicht viel aus. Ein Teil hängt von der Lehrperson ab, ein Teil von dem, was das Kind umsetzen konnte. Manche Kinder haben Blackouts regelmäßig vor Schularbeiten“, gibt Holzer-Breid zu bedenken. Der Nachwuchs würde sich selbst meist schon genug Stress machen sowie Druck vonseiten der Schule bekommen, das wolle sie als Mutter nicht noch verstärken. „Gute Leistungen mit Geld zu belohnen, ist problematisch. Das führt unter Geschwistern schnell zu Streit, besonders wenn die Begabungen unterschiedlich sind. Kinder empfinden es als ungerecht, da sich schwächere Schüler:innen oft mehr anstrengen müssen und keine so guten Noten erreichen“, sagt auch Rathner. 


Finanzielle Anerkennungen für größere Aktionen, wie etwa Autowaschen oder Rasenmähen, können zwar vereinbart werden, jedoch sollten Eltern aufpassen, dass die Kinder nicht mehr nur Arbeiten machen wollen, für die sie Geld bekommen.

www.oesterreich.gv.at (Eingabe im Suchfeld „Taschengeld“, so findet man die Tabelle)

 

Angebote zum Thema Finanzbildung: www.schuldner-hilfe.at, finanznavi.gv.at/lebensphasen/schule-und-lebenslanges-lernen/kinder-und-jugendliche-1

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