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Es beginnt oft harmlos mit kurzen Gedanken wie „Ich muss noch daran denken, was ich einkaufen muss“ oder „Wer kümmert sich eigentlich um den Geburtstag der Kinder?“. Ein kleiner Hinweis hier, ein ständiges Erinnern dort, und schon kann die unsichtbare Last immer größer und plötzlich schwerer werden, als man denkt.
Hinter der ständigen Organisation steckt selten nur der Wunsch nach Ordnung. Oft sind es unbewusste Ängste, wie nicht übersehen zu werden, viel leisten zu müssen, um geliebt zu werden, oder die Familie zusammen halten zu wollen. Wer alles im Blick behalten will, versucht häufig unbewusst Sicherheit zu schaffen, aber Aufgaben kontrollieren zu wollen, schafft selten echte Ruhe. Es führt oft schleichend zu Erschöpfung.
Diese Last, die irgendwann zu viel werden kann, wird auch Mental Load genannt und entsteht häufig aus einem Mix aus Rollenbildern, Gewohnheiten und Erwartungen. Frauen übernehmen meist noch immer den Großteil dieser unsichtbaren Arbeit, auch wenn sich in den letzten Jahren einiges verschoben hat und zunehmend auch Männer erleben, wie es ist, ständig mitzudenken. Stress, Selbstzweifel oder Perfektionsansprüche verstärken diese Last. Wer sich selbst nicht genug Raum gibt, neigt dazu, alles im Blick behalten zu wollen.
Der erste Schritt aus dieser Erschöpfung ist das Erkennen und Selbstreflexion: „Welche Aufgaben denke ich ständig mit? Welche Verantwortung trage ich allein, und wo könnte sie geteilt werden?“ Hilfreich ist dann, dem Partner gegenüber klare Worte zu finden, nicht als Vorwurf, sondern als Ich-Botschaft wie „Ich fühle mich überlastet, wenn ich an alles denken muss“, das klingt anders als „Du machst ja nie etwas von allein“. Verantwortung teilen bedeutet außerdem Kontrolle abgeben und oft muss auch ausgehalten werden, dass es der andere nicht genauso macht, wie man es selbst machen würde.
Unsichtbare Arbeit ist kein individuelles Versagen, sondern ein gesellschaftliches Muster, das sich Schritt für Schritt verändern lässt. Sichtbarkeit, gemeinsame Verantwortung und Nachsicht sind dabei entscheidend. Denn am Ende geht es nicht darum, alles perfekt zu organisieren – sondern darum, wieder Raum für Leichtigkeit, Nähe und eigene Freiheit zu schaffen.
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