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In guter Erinnerung

LEBENS_WEISE

Gräber sind Orte der Erinnerung und sollen als solche auch schön sein. Gerade im Sommer machen sich so manche Gedanken, wie das gut gelingt.

Ausgabe: 30/2024
23.07.2024
- Judith Moser-Hofstadler
Bei den heißen Temperaturen im Sommer ist die Grabpflege alles andere als ein Selbstläufer.
Bei den heißen Temperaturen im Sommer ist die Grabpflege alles andere als ein Selbstläufer.
© K.-U. Häßler, Stock.Adobe

Wenn wir ein Grab besuchen, möchten wir uns den Verstorbenen möglichst nah fühlen. Da soll der erste Gedanke nicht der anstehenden Arbeit gelten – gießen, neue Pflanzen besorgen und verwelkte entfernen, jäten. Manches lässt sich nicht vermeiden. Aber abgesehen von viel Arbeit kostet es auch Geld und Energie, das Grab je nach Saison mit neuen Pflanzen zu versorgen.

 

Saftreiche Pflanzen


Vor allem wenn das Grab von Angehörigen weiter entfernt ist, kann es auch Sorgen bereiten, wenn niemand da ist, der empfindliche Pflanzen in der Sommerhitze gießt. Vielleicht ist es nicht ganz im Sinne der Gärtnereien, wenn auf Gräbern hitzebeständige und winterharte Pflanzen wachsen, doch hier kann Nachhaltigkeit das Leben wirklich leichter machen.

 

„Die Klassiker sind die Lonicera – die Heckenkirsche – und der Teppichwacholder als immergrüne, hitzefeste Bepflanzung“, verrät Stefan Oberklammer. Er ist Gärtnermeister und Betriebsleiter am Friedhof St. Barbara in Linz. Weil der Klimawandel auch vor dem Friedhof nicht haltmacht, ist Oberklammer Experte auf diesem Gebiet. Er hat Tipps für Pflanzen parat, die nicht nur hitzebeständig und zugleich winterhart, sondern auch für die Insekten nützlich sind.

 

„Als besonders wertvoll für die Insektenwelt erweist sich eine Bepflanzung mit Teppichsedum – Hauswurz und Mauerpfeffer. Diese immergrünen Sukkulenten sind äußerst hitzefest und liefern die schönsten Blüten und wertvolle Pollen für Bienen und Insekten“, schwärmt der Gärtner. 

 

Sukkulenten sind Pflanzen, die in ihren Blättern, Wurzeln oder im Stamm Wasser speichern können und so lange Dürreperioden gut überstehen. Das lateinische Wort „succus“ bedeutet „Saft“. Wie ein kleines Wunder klingt es, wenn Oberklammer erklärt: „Gießen ist auch an heißen Tagen normalerweise nicht nötig, auch deshalb, weil die Pflanzen die Fähigkeit besitzen, ausschließlich von der Luftfeuchtigkeit zu leben.“ Am Anfang, in der Anwuchszeit, wenn die Pflanze verwurzelt, rät er aber doch zum Gießen.

 

Arbeitserleichterung


Diese Pflanzen haben noch einen weiteren Vorteil, den Stefan Oberklammer nennt: „Sie bleiben niedrig und breiten sich mattenartig aus, daher entfällt ein Pflegeschnitt. Lediglich aufkeimendes Unkraut muss entfernt werden.“

 

Es gibt noch andere schöne und pflegeleichte Pflanzen. „Als beinahe immergrüne Variante geht auch die Römische Kamille, die schön blüht, oder als nichtblühende mattenartig wachsend die Englische Rasenkamille“, so Stefan Oberklammer. „Diese kann auch als hitzebeständige Rasenvariante verwendet werden.“ Das lässt sich bestimmt gut kombinieren, mit Schnittblumen oder Schalen mit wechselnder Bepflanzung. 

 

Pflegeleicht und duftend


Für jemanden, der auf Artenvielfalt auch auf dem Grab Wert legt, hat der Gärtner noch weitere Vorschläge: Teppichthymian, Fetthennen in allen Varianten, Lavendel, Salbei, Goldschafgarbe, Blaugrünes Stachelnüsschen, Steinkraut, Spornblume und vieles mehr. Über sie sagt Oberklammer: Sie liefern den heimischen Insekten wertvollen Nektar und sind auch optisch ein Hingucker.“ 


Außerdem kann man sich vorstellen, dass diese Pflanzen auch noch duften.

Weil auch die Winter bei uns immer milder werden, ist es in manchen Lagen sogar möglich, Rosmarin zu pflanzen. Das wäre eine halbhohe Variante für eine Pflanze am Grab. „Er ist gut schnittfähig und der Schnitt kann gleich in der Küche verarbeitet werden, also extrem nachhaltig“, so der Tipp vom Gärtnermeister. 


Ein Gericht, gewürzt mit Rosmarin vom Grab eines Menschen, an den man gerne denkt – bestimmt für viele ein schöner Gedanke.
 

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