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Vatikan-Schreiben zum deutschen „Synodalen Weg“

Ungewöhnliche Erklärung

Weltkirche

Der Vatikan hat sich in einer Erklärung zum Reformprozess „Synodaler Weg“ der katholischen Kirche in Deutschland geäußert. Die Reaktionen darauf sind unterschiedlich.  
 

26.07.2022
Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, übt Kritik an der Erklärung des Vatikan  zum Reformprozess „Synodaler Weg“.
Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, übt Kritik an der Erklärung des Vatikan zum Reformprozess „Synodaler Weg“.
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„Der ‚Synodale Weg‘ in Deutschland ist nicht befugt, die Bischöfe und die Gläubigen zur Annahme neuer Formen der Leitung und neuer Ausrichtungen der Lehre und der Moral zu verpflichten“, heißt es in der aktuellen Erklärung des Heiligen Stuhls. Zur „Wahrung der Freiheit des Volkes Gottes und der Ausübung des bischöflichen Amtes“ erscheine es notwendig, dies klarzustellen.

 

In der ohne Absender verbreiteten Erklärung heißt es weiter: Vor einer weltkirchlich abgestimmten Übereinkunft dürften in den Diözesen keine neuen amtlichen Strukturen oder Lehren eingeführt werden, „welche eine Verletzung der kirchlichen Gemeinschaft und eine Bedrohung der Einheit der Kirche darstellen würden“. Aus Sicht des Vatikan ist es aber „wünschenswert“, dass die Vorschläge des Synodalen Weges „in den synodalen Prozess, auf dem die Universalkirche unterwegs ist, einfließen mögen“.

 

Reaktionen

 

Das Präsidium des „Synodalen Wegs“ hat die jüngste Kritik aus dem Vatikan an dem Reformprojekt der katholischen Kirche in Deutschland zurückgewiesen. „Wir werden nicht müde zu betonen, dass die Kirche in Deutschland keinen ‚deutschen Sonderweg‘ gehen wird“, heißt es in einem gemeinsamen Statement des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, und Irme Stetter-Karp, der Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).

 

Das bringe auch die Satzung des „Synodalen Weges“ zum Ausdruck. „Dennoch sehen wir es als unsere Pflicht an, klar zu benennen, wo aus unserer Sicht Änderungen notwendig sind. Dabei spüren wir bereits jetzt, dass die von uns benannten Probleme und Fragen weltweit ähnlich sind“, so Bätzing und Stetter-Karp. Beide hoben hervor, man werde sich selbstverständlich „mit Erfahrungen und Ergebnissen des Synodalen Weges in den synodalen Prozess der Weltkirche einbringen“. Zugleich beklagten sie einen mangelnden Austausch mit den Verantwortlichen im Vatikan.


Etliche deutsche Theologen und Mitglieder der Synodalversammlung, dem obersten Organ des „Synodalen Wegs“, kritisierten ebenfalls die Vatikan-Erklärung, darunter die in Erfurt lehrende Dogmatik-Professorin Julia Knop. „Wer die Statuten des Synodalen Wegs gelesen hat und die Debatten in den Foren und der Synodenaula verfolgt, weiß, dass niemand die Absicht hat und niemand sich befugt sieht, nationalkirchliche Alleingänge in Fragen zu gehen, die universalkirchlicher Abstimmung bedürfen“, so Knop.


Positiv auf die Einlassungen aus Rom reagierte hingegen u. a. der Augsburger Bischof Bertram Meier. „Ich finde es gut, dass der Heilige Stuhl sich zu dieser Erklärung entschlossen hat“, betonte Meier. „Das zeigt zunächst, dass man sich in Rom sehr dafür interessiert, was in Deutschland geschieht. Das Einheitsrisiko ist virulent.“

 

Beratungen

 

Im „Synodalen Weg“ beraten deutsche Bischöfe und Laienvertreter seit 2019 über die Zukunft der katholischen Kirche. In der Debatte geht es vor allem um die Themen Macht, Priestertum und Sexualmoral sowie um die Rolle der Frauen in der Kirche.  

 

Hintergrund


Befremden über die Art der „Erklärung“ 


Das viel diskutierte 15-zeilige Schriftstück trägt den Titel „Erklärung des Heiligen Stuhls“ und erschien vergangenen Donnerstag, den 21. Juli 2022 zwei Stunden nach dem üblichen mittäglichen Presse-Bulletin, wie aus heiterem Himmel. Versendet über den Verteiler des vatikanischen Presseamts, aber ohne Absender: kein Name, keine Behörde, kein Datum.

 

Ebenso wenig wird ein Anlass genannt. Von wem die Erklärung veranlasst sein könnte - darüber lässt sich nur spekulieren. All diese Umstände sind dazu angetan, dass in erster Linie ein Befremden über die Art und Weise des Textes geäußert wird und die Beschäftigung mit dem Inhalt, die Warnung vor einem deutschen Alleingang in Kirchenreformen, erst in einem zweiten Schritt folgt.

 

Nach der Einschätzung des Augsburger Kirchenhistorikers Jörg Ernesti ist die Unbestimmtheit, die sich aus der fehlenden Unterschrift unter der „Erklärung“ ergibt, gewollt. Dadurch soll das allgemeine Unbehagen im Vatikan über die Entwicklung des Synodalen Weges zum Ausdruck kommen, das man nicht an einer Person festmachen soll. Wie sich die „Erklärung des Heiligen Stuhls“ auf die kommende Vollversammlung des Synodalen Wegs Anfang September auswirkt, ist offen. Geht es nach dem Präsidium werden, die Beratungen wie geplant fortgeführt. 


Zustimmung 


Wie der Augsburger Bischof Bertram Meier und der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, so hat auch der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke die Erklärung des Vatikan ausdrücklich begrüßt. Er sei „dem Heiligen Stuhl für seine deutlichen und eindringlichen Worte sehr dankbar“. 

Quellen: kathpress.at, katholisch.de und kath.ch

 

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Maria Fischer studierte Theologie und Philosophie. Sie ist Pastoralvorständin der Pfarre TraunerLand in der Diözese Linz.

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