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Missbrauchsskandal: Papst ruft zum Kampf gegen Klerikalismus

Weltkirche

Angesichts eines erschütternden Missbrauchsberichts versprechen die US-Bischöfe Reformen und bauen auf Hilfe aus Rom. Papst Franziskus reagierte am Montag mit einem Brief „An das Volk Gottes“.
 

Ausgabe: 34/2018
21.08.2018
- Kathpress/NIE
Auf den Bericht von Staatsanwalt Shapiro (li.) reagierte Papst Franziskus.
Auf den Bericht von Staatsanwalt Shapiro (li.) reagierte Papst Franziskus.
© John L. Mone / AP / picturedesk.com, Reuters

Der Papst räumte in dem Schreiben eine Schuld der katholischen Kirche in der Frage des Missbrauchs ein: „Mit Scham und Reue geben wir als Gemeinschaft der Kirche zu, dass wir nicht dort gestanden haben, wo wir eigentlich hätten stehen sollen und dass wir nicht rechtzeitig gehandelt haben, als wir den Umfang und die Schwere des Schadens erkannten.“ Als eine der Hauptursachen benennt der Papst „Klerikalismus“ als falsches Verständnis von Autorität in der Kirche.
Das gesamte Volk Gottes müsse sich daran beteiligen, auf die Übel des Missbrauchs und der Vertuschung zu antworten. „Alles, was man unternimmt, um die Kultur des Missbrauchs aus unseren Gemeinschaften auszumerzen, ohne alle Glieder der Kirche aktiv daran teilhaben zu lassen“, werde nicht die nötige Dynamik „für eine gesunde und wirksame Umgestaltung“ erzeugen, warnt der Papst. Um Verzeihung zu bitten und den Schaden wiedergutzumachen sei in solchen Fällen „nie genug“.

 

Pennsylvania-Bericht

Zugespitzt hatte sich der Skandal vergangene Woche an einem Bericht, den der Generalstaatsanwalt des US-Bundesstaats Pennsylvania, Josh Shapiro, präsentierte. Er enthält Untersuchungsergebnisse aus sechs der acht katholischen Diözesen Pennsylvanias. Demnach hätten in den vergangenen 70 Jahren 301 heute zumeist verstorbene Priester über tausend Kinder und Jugendliche missbraucht. Der Bericht vermerkt auch, dass die 2001 nach der ersten „Welle“ von Missbrauchsskandalen in der US-Kirche getroffenen Maßnahmen Wirkung gezeigt haben und sich die Fälle stark verringert haben. Festgestellt wird zudem, dass die Diözesen unter anderem Dokumente zugänglich gemacht haben.

 

„Katastrophe“

Der Pennsylvania-Bericht erhöht kurz nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Ex-Kardinal Theodore McCarrick den Druck auf die US-Bischofskonferenz. Diese kündigte Reformen an. Vorsitzender Kardinal Daniel DiNardo sprach von einer „moralischen Katastrophe“. Der Vatikan soll um eine Visitation gebeten und Laien verstärkt in den Kampf gegen Missbrauch eingebunden werden.
Rund 140 US-Theologen und engagierte Laien haben sich schon zu Wort gemeldet. In einer Erklärung forderten sie die US-Bischöfe auf, dem Beispiel ihrer chilenischen Amtsbrüder zu folgen und dem Papst kollektiv ihren Rücktritt als Akt der Reue und des Bedauerns anzubieten.
Auch der bekannte US-Priester John B. Bambrick, der einst selbst Opfer von Missbrauch war, forderte nicht nur eine strengere Auswahl von Priesterseminaristen, sondern auch die Beteiligung von Laien bei der Bischofsbestellung: Statt Seelsorger würden zu oft Bürokraten Bischöfe werden, die ähnliche Personen in andere Ämter nachziehen, argumentierte Bambrick.

 

 

Wortlaut
Aus dem Papstbrief
 

Der Papst räumte in dem Schreiben eine Schuld der katholischen Kirche in der Frage des Missbrauchs ein: „Mit Scham und Reue geben wir als Gemeinschaft der Kirche zu, dass wir nicht dort gestanden haben, wo wir eigentlich hätten stehen sollen und dass wir nicht rechtzeitig gehandelt haben, als wir den Umfang und die Schwere des Schadens erkannten.“ Als eine der Hauptursachen benennt der Papst „Klerikalismus“ als falsches Verständnis von Autorität in der Kirche.
Das gesamte Volk Gottes müsse sich daran beteiligen, auf die Übel des Missbrauchs und der Vertuschung zu antworten. „Alles, was man unternimmt, um die Kultur des Missbrauchs aus unseren Gemeinschaften auszumerzen, ohne alle Glieder der Kirche aktiv daran teilhaben zu lassen“, werde nicht die nötige Dynamik „für eine gesunde und wirksame Umgestaltung“ erzeugen, warnt der Papst. Um Verzeihung zu bitten und den Schaden wiedergutzumachen sei in solchen Fällen „nie genug“.

Pennsylvania-Bericht. Zugespitzt hatte sich der Skandal vergangene Woche an einem Bericht, den der Generalstaatsanwalt des US-Bundesstaats Pennsylvania, Josh Shapiro, präsentierte. Er enthält Untersuchungsergebnisse aus sechs der acht katholischen Diözesen Pennsylvanias. Demnach hätten in den vergangenen 70 Jahren 301 heute zumeist verstorbene Priester über tausend Kinder und Jugendliche missbraucht. Der Bericht vermerkt auch, dass die 2001 nach der ersten „Welle“ von Missbrauchsskandalen in der US-Kirche getroffenen Maßnahmen Wirkung gezeigt haben und sich die Fälle stark verringert haben. Festgestellt wird zudem, dass die Diözesen unter anderem Dokumente zugänglich gemacht haben.

„Katastrophe“. Der Pennsylvania-Bericht erhöht kurz nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Ex-Kardinal Theodore
McCarrick den Druck auf die US-Bischofskonferenz. Diese kündigte Reformen an. Vorsitzender Kardinal Daniel DiNardo sprach von einer „moralischen Katastrophe“. Der Vatikan soll um eine Visitation gebeten und Laien verstärkt in den Kampf gegen Missbrauch eingebunden werden.
Rund 140 US-Theologen und engagierte Laien haben sich schon zu Wort gemeldet. In einer Erklärung forderten sie die US-Bischöfe auf, dem Beispiel ihrer chilenischen Amtsbrüder zu folgen und dem Papst kollektiv ihren Rücktritt als Akt der Reue und des Bedauerns anzubieten.
Auch der bekannte US-Priester John B. Bambrick, der einst selbst Opfer von Missbrauch war, forderte nicht nur eine strengere Auswahl von Priesterseminaristen, sondern auch die Beteiligung von Laien bei der Bischofsbestellung: Statt Seelsorger würden zu oft Bürokraten Bischöfe werden, die ähnliche Personen in andere Ämter nachziehen, argumentierte Bambrick.

 

 

Widerstand gegen Aus für Todesstrafe

In konservativen Kreisen reißt die Kritik an Papst Franziskus wegen der offiziellen Ächtung der Todesstrafe im Katechismus nicht ab. In einem in der US-Zeitschrift „First Things“ veröffentlichten Brief schreiben 45 Universitätsprofessoren und andere Unterzeichner, diese Entscheidung sei „skandalös“, weil sie im Widerspruch zur Heiligen Schrift stehe. Papst Franziskus hatte verfügt, die Todesstrafe sei „unzulässig, weil sie gegen die Unantastbarkeit und Würde der Person verstößt“ – und hatte dafür sehr viel Zustimmung weltweit bekommen.

 

 

 

 

© Jacqueline Larma / AP / picturedesk.com
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Maria Fischer studierte Theologie und Philosophie. Sie ist Pastoralvorständin der Pfarre TraunerLand in der Diözese Linz.

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