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Gerechtigkeit und Frieden

Weltkirche

Die Reise ist historisch: Mit Franziskus hat erstmals ein Papst die Arabische Halbinsel – die Wiege des Islam – betreten. Er wurde in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit großem Aufwand empfangen. In einer Ansprache am Montag betonte er den Wert von Religionsfreiheit und Menschenwürde.

Ausgabe: 6/2019
05.02.2019
- Kathpress
Scheich Mohamed bin Rashid Al Maktoum (l.), Herrscher von Dubai, sowie Vizepräsident und Ministerpräsident  der Vereinigten Arabischen Emirate, und Mohammed bin Zayed Al Nahyan (M.), Kronprinz der Vereinigten  Arabischen Emirate, begrüßten Papst Fra
Scheich Mohamed bin Rashid Al Maktoum (l.), Herrscher von Dubai, sowie Vizepräsident und Ministerpräsident der Vereinigten Arabischen Emirate, und Mohammed bin Zayed Al Nahyan (M.), Kronprinz der Vereinigten Arabischen Emirate, begrüßten Papst Fra
© Reuters

Alle Menschen hätten die gleiche Würde, daher könne „niemand der Herr oder Sklave anderer sein“, sagte Franziskus bei einer interreligiösen Konferenz am Denkmal für Staatsgründer Scheich Zayid bin Sultan Al Nahyan (1918–2004). Zugleich verurteilte der Papst erneut religiösen Extremismus. „Es gibt keine Gewalt, die religiös gerechtfertigt werden kann“, sagte Franziskus wörtlich.
Er würdigte das Engagement der Vereinigten Arabischen Emirate, eine freie Ausübung der Religion „zu tolerieren und zu garantieren sowie Extremismus und Hass zu bekämpfen“. Dies könne auch helfen, Terrorismus zu verringern.
Zugleich machte er zum Thema Religionsfreiheit deutlich: „Sie beschränkt sich nicht nur auf die freie Ausübung der Religion“. Es gehe darum, dass Gott den Menschen Freiheit gewähre, die „keine menschliche Institution zwingen kann, auch nicht in seinem Namen“. In den VAE wird Katholiken die Ausübung der eigenen Religion gewährt, Missionierung ist jedoch verboten. Insgesamt gibt es in den VAE rund eine Million Christen (9 Prozent der Bevölkerung); diese sind zumeist asiatische Arbeitsmigranten. Auch im Nahen Osten müsse den Angehörigen aller Religionen das gleiche Bürgerrecht gewährt werden, sagte der Papst.

 

Kinderschutz

Wichtig für den Frieden ist laut Franziskus besonders Bildung. „Bildung und Gewalt verhalten sich umgekehrt proportional“, sagte er. Gewürdigt wurde von ihm das Engagement der VAE für Bildung und Kinderschutz, der auch der Kirche wichtig sei: „Ich verspreche die Unterstützung, die Solidarität und Teilnahme meinerseits sowie der katholischen Kirche in dieser sehr wichtigen Sache des Jugendschutzes in all seinen Formen“, sagte der Papst in seiner  zentralen Rede auf dieser Reise.
Die Arbeit der katholischen Einrichtungen in der arabischen Welt nannte Franziskus eine „Erziehung zum Frieden“. Die allermeisten Katholiken auf der Arabischen Halbinsel sind Gastarbeiter. „Hier in der Wüste hat sich ein fruchtbarer Weg der Entwicklung aufgetan, der ausgehend von den hier entstandenen Arbeitsplätzen, vielen Menschen verschiedener Völker, Kulturen und Glaubensüberzeugungen Hoffnung gibt“, sagte der Papst. Auch Christen leisteten einen „wesentlichen Beitrag zum Wachstum und Wohlstand des Landes“.

 

Krieg im Jemen

Die „katastrophalen Folgen“ der Kriege seien allen bekannt, rief Franziskus in Erinnerung. „Ich denke dabei insbesondere an Jemen, Syrien, Irak und Libyen.“ Vor dem Hintergrund, dass am Krieg im Jemen die Emirate beteiligt sind, stellte er aber gleich zu Beginn klar, dass er keinesfalls allein seine Gastgeber meinte – er wende sich an „alle Länder dieser Halbinsel“. 
Frieden und Gerechtigkeit seien untrennbar miteinander verbunden: „Eine Gerechtigkeit, die nur für Familienmitglieder, Landsleute und Gläubige desselben Glaubens gilt, ist eine hinkende Gerechtigkeit, sie ist verschleierte Ungerechtigkeit“, sagte Franziskus. Es folgte verhaltener Applaus.

 

Freunde

Vor der Ansprache traten der Papst und der Großimam Ahmad al-Tayyeb von der al-Azhar-Moschee in Kairo gemeinsam auf und appellierten zu einem Ende der Kriege auf der Welt. Dazu unterzeichneten sie am Ende unter großem Applaus eine gemeinsame Erklärung, die die Ergebnisse des zweitägigen interreligiösen Treffens zum Thema „Menschliche Brüderlichkeit“ zusammenfasst. Das Dokument ruft zur Solidarität zwischen allen Menschen auf, verurteilt Hass und Blutvergießen und fordert zum Einsatz gegen Gewalt auf.
Al-Tayyeb bekräftigte in seiner Rede Übereinstimmung mit seinem „guten Freund“ Franziskus und verurteilte scharf Missbrauch von Religion für Gewalt und Hass. Der emeritierte langjährige Rektor der Kairoer al-Azhar-Universität, einer der wichtigsten Gelehrten der islamischen Welt, rief seine Glaubensgeschwister zum Wohlwollen und zur Begegnung mit Christen auf. Für seine Aussage „Ihr Christen im Nahen Osten seid wahre Mitbürger“ gab es spontanen Applaus. 
Am Dienstag standen eine Messe des Papstes im Zayed-Sports-City-Stadion sowie ein Besuch in der Bischofskirche von Abu Dhabi  auf dem Programm. «   

Papst Franziskus hielt während der interreligiösen Konferenz über „Menschliche Brüderlichkeit“ im Founder‘s Memorial in Abu Dhabi seine Rede.
Papst Franziskus hielt während der interreligiösen Konferenz über „Menschliche Brüderlichkeit“ im Founder‘s Memorial in Abu Dhabi seine Rede.
© Reuters
Ahmad al-Tayyeb von der al-Azhar-Universität Kairo nannte Papst Franziskus seinen Freund.
Ahmad al-Tayyeb von der al-Azhar-Universität Kairo nannte Papst Franziskus seinen Freund.
© Reuters
Kronprinz Muhammad bin Zayed Al Nahyan empfing den Papst am Flughafen.
Kronprinz Muhammad bin Zayed Al Nahyan empfing den Papst am Flughafen.
© Reuters
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Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.

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