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Die scheidende Direktorin für „Pastorale Berufe“ der Diözese Linz zieht Bilanz

„Seelsorge braucht Qualität“

Kirche OÖ

Mit September geht Brigitte Gruber-Aichberger, die Direktorin für „Pastorale Berufe“ in der Diözese Linz, in Pension.
 

Ausgabe: 32/2022
09.08.2022
- Heinz Niederleitner
Brigitte Gruber-Aichberger trat 1987 in den pastoralen Dienst ein. Seit 1999 leitete sie als Direktorin die „Pastoralen Berufe“.
Brigitte Gruber-Aichberger trat 1987 in den pastoralen Dienst ein. Seit 1999 leitete sie als Direktorin die „Pastoralen Berufe“.
© NIE/KiZ

Sie hat die Tätigkeit von hauptamtlichen Lai/innen in der Seelsorge wesentlich mitgestaltet.

 

Lai/innen als Seelsorger/innen – heute ist das eine Selbstverständlichkeit und auch anders nicht vorstellbar. Als Brigitte Gruber-Aichberger vor 35 Jahren – nach zwei Jahren ausschließlich als Lehrerin – in die Seelsorge wechselte, gab es bereits Pionier/innen. Erstaunen hat ihre Entscheidung trotzdem hervorgerufen: „Die Diözesanleitung hat uns zwar mit offenen Armen empfangen, aber die Strukturen waren für hauptamtlich tätige Laien – Frauen und Männer – in der Seelsorge noch nicht entwickelt“, berichtet sie über ihre Anfänge im seelsorglichen Dienst.

 

Sie erzählt, wie die Interessensgemeinschaft der Laientheolog/innen entstand, die Absolvent/innen der Theologie beim Start in der Seelsorge unterstützte. Prägend für die Diözese Linz war das gute Miteinander von Diözesanleitung und den Berufsgemeinschaften. „Das war eine spannende Zeit, weil es viel zu entwickeln galt. Die Unterstützung dafür wurde, trotz mancher Konflikte, von der Diözesanleitung nie infrage gestellt“, sagt die Theologin.

 

Kein Priesterersatzdienst

 

Natürlich hatte auch der steigende Priestermangel einen Einfluss auf die Berufsbilder der Laientheolog/-innen. „Als der damalige Generalvikar Josef Ahammer 1991 bekannt gab, dass es nicht mehr für jede Pfarre einen eigenen Pfarrer gibt, wurde neben den Pastoralassistenten auch das Berufsbild des Pfarrassistenten entwickelt. Aber der Pfarrassistent soll nicht einen Pfarer ersetzen. Sie stehen im Dienst der Pfarren, damit diese weiterhin eigenständig Gemeinde sein können“, sagt Gruber-Aichberger. Daher wäre es falsch, den Eintritt von Lai/innen in die Seelsorge am Priestermangel festzumachen.

 

„Die Existenz von hauptamtlichen Laien in der Seelsorge geht wesentlich auf das Zweite Vatikanische Konzil zurück. Denn alle Getauften sind berufen, am Sendungsauftrag der Kirche mitzuarbeiten. Laientheolog/innen sind theologisch qualifizierte Amtsträger/innen, die nicht geweiht, aber gesendet sind. Es entspricht auch unserer pluralen Gesellschaft, dass Seelsorge nicht zölibatär lebenden Männern vorbehalten ist.“ Im Übrigen ist es auch im Kirchenrecht vorgesehen, dass bei Notwendigkeit Lai/innen zum Taufen beauftragt werden. „Das entspricht dem seelsorglichen Ansatz unserer Diözese, den die Diözesansynode mit dem Motto ‚Kirche um der Menschen willen‘ formuliert hat“, sagt Gruber-Aichberger.

 

Kirchenrechtlich wird nach wie vor strikt zwischen Klerus und Lai/innen unterschieden. Das wird auch aktuell zum Beispiel beim Synodalen Weg in Deutschland besprochen. De facto gebe es diese Trennung nicht mehr, ist die scheidende Direktorin der Pastoralen Berufe überzeugt. Schieflagen existierten dennoch: „Sie zeigen sich in der Frage: Wer darf was tun; in der Frage der Geschlechter; oder der Frage, ob eine Weihe wichtiger ist als fachliche Kompetenz. Wir haben uns immer bemüht, diese Probleme mit dem Hinweis auf den gemeinsamen Auftrag aufzufangen. Aber es bräuchte schon lange einen nächsten Schritt, nämlich die Laien mit dem auszustatten, was sie für die Erfüllung ihres Auftrags brauchen – und das betrifft auch die Weihe. Eine Verbreiterung des Amtes würde auch dem Priestertum guttun“, sagt sie. „Sowohl für Priester als auch für Laientheolog/-innen bringt die scharfe Trennung unzumutbare Spannungen. Es geht nicht darum, das Weiheamt infrage zu stellen, sondern, ob das nur Männer machen dürfen.“

 

Nun muss gehandelt werden

 

Zum Beispiel in der Frage der Frauen sei die Zeit des Redens vorbei und jene des Tuns gekommen. Aber hier gebe es Enttäuschungen. „Ein Beispiel ist, dass die Bischofskonferenz zwar von einem Drittel Frauen in Leitungspositionen gesprochen hat, das aber nicht konkretisiert wurde. Es wäre kein Problem, jedes rein klerikal besetzte Gremium – von der Bischofskonferenz bis zum Priesterrat – durch ein Drittel Frauen zu ergänzen: Selbst ein Gaststatus würde schon Veränderung bewirken“, sagt Gruber-Aichberger. Das Nachhinken der Kirche beim Thema Gleichberechtigung empfindet die Theologin als „Schande“.

 

Aber dass der Weg der Diözese Linz mit dem sehr frühen Einsatz von Lai/innen in der Seelsorge aufgegangen ist, macht Gruber-Aichberger zufrieden und dankbar. „Ich habe meine Aufgabe aber nicht in der Standesvertretung der hauptamtlichen Laien gesehen, sondern darin, mit qualifiziertem Personal eine weltoffene Kirche zu gestalten.“

 

Qualität

 

Ein zentrales Wort ist für Brigitte Gruber-Aichberger „Qualität“. Qualitätsvolle Seelsorge sei, wenn es nicht bei einzelnen Berührungspunkten mit dem Menschen bleibe, sondern erkennbar werde. Da sind Menschen direkt angesprochen, da geht es um ihr Leben. Das ist eine Zukunftsaufgabe, an der die Theologin trotz Pensionierung dranbleiben wird: Einerseits wird sie sich in den Visitationen engagieren, andererseits wird ihr auch zukünftig die inhaltliche Begleitung der neuen Pfarren ein Anliegen sein. 

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