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Ich konnte meine Berufung leben

Kirche OÖ

Mit Gertraud Assmann, Maria Sumereder und Hans Putz sind langjährige und leitende Mitarbeiter/innen der Kirche Oberösterreich in Pension gegangen. Sie erzählen, was ihnen die Arbeit in der Kirche bedeutet hat und wie sie die Zukunft von Pfarren, Diözese und Sozialeinrichtungen sehen. 
 

Ausgabe: 2/2019
08.01.2019
- Christine Grüll, Josef Wallner
© ©Martin_P - stock.adobe.com

Caritasarbeit ist immer auf Gemeinsamkeit ausgerichtet. Das Evangelium muss durch die Haltung, durch das Tun „verkündet“ bzw. spürbar werden. 

Ich hatte großartige, höchst engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in allen Bereichen, Abteilungen und Stabs- bzw. Servicestellen, bei denen die Menschen mit ihren Bedürfnissen, für die wir Verantwortung übernommen haben, im Mittelpunkt ihrer Absichten standen, und das auf allen Ebenen, egal ob sie in der Basisarbeit oder in der Führung verantwortlich waren. 

Ich war oft tief berührt und bin es immer noch, wenn ich darüber nachdenke, mit welcher Sensibilität sie auf die Fähigkeiten der einzelnen Menschen eingingen und Barrieren aus dem Weg räumten, um ihnen eine persönliche und berufliche Entwicklung zu ermöglichen. Davor habe ich großen Respekt und bin sehr dankbar dafür.

Was halte ich im kirchlichen Bereich für wichtig, auch mit Blick auf den diözesanen „Zukunftsweg“? Dazu zitiere ich P. Freinademetz: „Die Sprache der Liebe ist die einzige Sprache, die alle Menschen verstehen.“ Ich füge hinzu: Das war immer so und wird immer so sein. Die Kirche muss jedem Menschen 
„An-sehen“ geben, das müssen die Menschen so erleben. Da geht es um Wahrhaftigkeit. 

Der Apostel Paulus hat uns aufgefordert, einander anzunehmen, wie auch Christus uns angenommen hat (Röm 15,7). Damit meine ich nicht, dass jedes Handeln toleriert werden kann oder darf, ganz im Gegenteil. Es braucht Wegweiser und „Spielregeln“ zu einem gelingenden gemeinsamen Leben und Arbeiten, denn die eigene Freiheit endet schließlich dort, wo die des anderen beginnt. Aber Spielregeln dürfen nicht einer Kleinkariertheit, Ängsten oder gar einer reinen Machtbesessenheit entspringen. «

Mag. Maria Sumereder

 

 

Für mich war die Arbeit im Rahmen der Caritas in St. Isidor mit beeinträchtigten Kindern und Familien eine wunderschöne Arbeit. Auch wenn die öffentlich finanzierten Einrichtungen in Oberösterreich gut sind, habe ich den Eindruck, die Caritas ist näher am Menschen. Durch Spenden, mit denen wir besondere Projekte verwirklichen können, hat die Caritas eine weitere Möglichkeit, für Menschen, die am Rande stehen, die in Not sind, die eine Behinderung haben, zu arbeiten. Das habe ich immer als sehr bereichernd empfunden. 
Es war mir wichtig, Spenden zu lukrieren und die Menschen darüber aufzuklären, warum wir diese Spenden brauchen. Dadurch konnten wir zusätzlich Firmen oder Privatpersonen miteinbeziehen, die nicht nur Geld gespendet haben, sondern die sich auch für die Not der Menschen interessiert haben. 
Als Abteilungsleiterin in St. Isidor in Leonding und als Geschäftsführerin konnte ich Menschen mit Behinderung und ihre Familien erleben und gleichzeitig im Management arbeiten. Unser Institut hat nun zum Schluss 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es war herausfordernd, wichtige Angebote, die auch Nischen abgedeckt haben, auf einem hohen Qualitätslevel zu erhalten und zu finanzieren. Aber es ist schön, zu wissen, die Aufbauarbeit mitgemacht zu haben, vom Kinderheim zum modernen Dienstleistungszentrum für Kinder mit Behinderung und ihre Familien.

Für die Zukunft sehe ich ein kühler werdendes Klima im Sozialbereich. Die Caritas wird als Kostenfaktor gesehen, aber wir sind auch ein großer Arbeitgeber, ein Wirtschaftsfaktor und ein Zukunftsfaktor. Jeder Euro, der in Kinder investiert wird, die zum Beispiel aus schwierigen Familienverhältnissen kommen, ist in eine Zukunft investiert, in der sie arbeiten und eine Familie gründen können. Die Caritas ist ein Sozialunternehmen, das nicht auf Gewinn ausgerichtet ist, und gleichzeitig eine spendensammelnde Organisation. Eine Herausforderung der Zukunft wird sein, beides in der Öffentlichkeit zu vermitteln. «

Dr. Gertraud Assmann

 

Ich bin dankbar für 40 Jahre an einem guten Arbeitsplatz. Ich konnte leben, was ich als meine Berufung gespürt habe: zum Aufbau der Gemeinden beizutragen. Das sehe ich wirklich als großes Geschenk. 

Man könnte meinen, dass die Organisation der Pfarrgemeinderats (PGR)-Wahlen nach sechs Perioden zur Routine geworden sei. Das war ganz und gar nicht der Fall. Aufgrund des gesellschaftlichen und kirchlichen Wandels war jede Wahl anders. Auffallend ist, dass die Qualifikationen der PGR-Mitglieder, die diese aus ihrem Beruf mitbringen, deutlich gestiegen sind und auch die Ansprüche an die Arbeit in der Kirche gestiegen sind. Sitzungsvorbereitung, Sitzungsleitung, Entscheidungsfindung – all das muss noch professioneller werden, weil viele PGR-Mitglieder das in ihrem Umfeld so gewohnt und nicht bereit sind, in einem Gremium mitzuarbeiten, wo nichts weitergeht.

Mich freut, dass der Pfarrgemeinderat eine ganz selbstverständliche Einrichtung in den Pfarren geworden ist. Das darf aber nicht dazu führen, dass man ihn übersieht und nicht wertschätzt. Man muss ihn als Beratungsgremium der Pfarre und Vertretung des Volkes Gottes auch pflegen. Der Pfarrgemeinderat darf nicht in der Leitung der Gemeinden aufgehen, er muss eigenständig bleiben und hat eine eigenständige Rolle im Zusammenwirken mit der amtlich bestellten Pfarrleitung.
Die Zukunft des PGR lässt sich für mich mit zwei Worten beschreiben: entscheidend mitgestalten. Das ist das Um und Auf. Leute, die im PGR sind, brauchen das Gefühl, dass sie wirklich gefragt und gebraucht sind. Sonst wird sie das nicht interessieren. Auch eine gut gemeinte Pfarrherren-Mentalität ist kontraproduktiv, eine echte Beteiligung unumgänglich. Das heißt, dass sich in der Folge das kirchliche System wandeln muss. Dazu sollen alle beitragen: vom Bischof bis zum einfachen PGR-Mitglied. Das ist aber keine Revolution, sondern die Umsetzung dessen, was das Zweite Vatikanische Konzil angestoßen hat. «

Mag. Hans Putz


 

Mag. Maria Sumereder war seit 2004 bei der Caritas für Menschen mit Behinderung tätig, ab 2007 gemeinsam mit Dr. Gertraud Assmann. In dieser Zeit wurden aus 600 Mitarbeitenden 1.500.
Mag. Maria Sumereder war seit 2004 bei der Caritas für Menschen mit Behinderung tätig, ab 2007 gemeinsam mit Dr. Gertraud Assmann. In dieser Zeit wurden aus 600 Mitarbeitenden 1.500.
© Caritas
Dr. Gertraud Assmann war seit 1994 bei der Caritas tätig, seit 2002 Abteilungsleiterin in St. Isidor und zusätzlich seit 2007 Geschäftsführerin der Caritas für Menschen mit Behinderung.
Dr. Gertraud Assmann war seit 1994 bei der Caritas tätig, seit 2002 Abteilungsleiterin in St. Isidor und zusätzlich seit 2007 Geschäftsführerin der Caritas für Menschen mit Behinderung.
© Caritas
Mag. Hans Putz war seit 1978 bei der Kirche beschäftigt, bei der Katholischen Jugend, in der pfarrlichen Öffentlichkeitsarbeit; ab 1991 war er Referent für die Pfarrgemeinderäte sowie Sekretär des Pastoralrates.
Mag. Hans Putz war seit 1978 bei der Kirche beschäftigt, bei der Katholischen Jugend, in der pfarrlichen Öffentlichkeitsarbeit; ab 1991 war er Referent für die Pfarrgemeinderäte sowie Sekretär des Pastoralrates.
© PGR-Referat
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