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Der schiefe Turm von Scharten

KIRCHE_OÖ

Die Wallfahrtskirche Maria Scharten, ein architektonisches Juwel, benötigt dringend Renovierungsmaßnahmen. Denn der 500 Jahre alte Turm neigt sich in eine Schieflage. 

Ausgabe: 07/2025
11.02.2025
Im 2013 generalsanierten Pfarrhof gibt es leer stehende Räume, die vermietet werden sollen.
Im 2013 generalsanierten Pfarrhof gibt es leer stehende Räume, die vermietet werden sollen.
© Pfarrgemeinde Maria Scharten

Die Wallfahrtskirche Maria Scharten hat eine lange Geschichte als Kraftort und Ziel zahlreicher Pilger. Insbesondere die Monate Mai und Oktober ziehen viele Gläubige an, die für ihre Anliegen beten und Kerzen in der schönen Lourdes-Grotte anzünden. Markant ist der Kirchturm, der seit über 500 Jahren stolz die Silhouette der Gemeinde prägt und auf dem die zwei Meter hohe „Strahlenkranz-Madonna“  thront.
Gerade dieser Turm hat den Verantwortlichen in der Pfarrgemeinde Scharten in den letzten Monaten viel Kopfzerbrechen bereitet. Er zeigt alarmierende Setzungen von bis zu 20 Zentimeter an seiner Westseite. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Kirchturmspitze über 1 Meter nach Westen geneigt.

 

Dringende Sanierung

„Wenn man genau schaut, kann man die Schiefstellung bereits mit freiem Auge erkennen“, sagt Erich Hölzl, Finanzverantwortlicher der Pfarrgemeinde Maria Scharten. Es sei zwar keine Gefahr im Verzug, dennoch sei sofortiges Handeln nötig. Die Neigung des Kirchturms, die Risse im Gemäuer und der sich vergrößernde Spalt zwischen Turm und Kirchenschiff erforderten einen baldigen Start der Sanierungsarbeiten, um die Stabilität des Turmes für die nächsten 50 bis 100 Jahre sicherzustellen.
Wie kompliziert diese Aufgabe ist, zeigt sich auch daran, dass die Pfarrgemeinde Scharten von drei Bauunternehmen Absagen bekommen hat. Für die bevorstehenden Arbeiten hat die Pfarrgemeinde jetzt eine Linzer Spezialfirma gefunden, die ein Düsenstrahlverfahren vorschlägt, um die Bodenschichten zu verdichten. Diese Maßnahmen können erst nach der Stabilisierung des Kirchturms beginnen. Nach Ostern soll der Startschuss für die Renovierungsarbeiten  erfolgen. Neben den Probebohrungen wird dann der Boden rund um die Kirche entfeuchtet und der Turm mit Sicherungsspangen versehen, die als Schutz während der Renovierung dienen. 
Im Herbst steht das Betoninjektionsverfahren an, das den Turm stabilisiert und eine weitere Neigung verhindert. Im Jahr 2026 soll die Außenrenovierung des Kirchenschiffes das gesamte Projekt abschließen. Trotz Baustelle wird der Kirchenraum jedoch  während der Arbeiten wie gewohnt offen bleiben.

 

Pfarre musste Gründe verkaufen

Die budgetierten Kosten für die Kirchturmrenovierung belaufen sich auf 300.000 Euro, während die Gesamtkosten der Sanierung auf 900.000 Euro geschätzt werden. Trotz finanzieller Unterstützung von Seiten der Diözese, des Bundesdenkmalamtes und der Hoffnung auf Hilfe vom Land Oberösterreich bleibt ein erheblicher Teil der Kosten bei der Pfarrgemeinde hängen. „Ohne Verkauf von Pfarrgründen könnten wir die Renovierung gar nicht erst starten“, betont Erich Hölzl. 
Die Pfarrgemeinde setzt auf die Mithilfe aus der Bevölkerung. „Wir bitten die Gemeinde und alle Interessierten um Unterstützung“, sagt Erich Hölzl. Die Organisatoren der Renovierung haben ein eigenes Spendenkonto eingerichtet, um die notwendigen Mittel zu sammeln. „Jeder Beitrag zählt, um diese bedeutende Kirche in ihrer Schönheit und Funktion weiterhin zu erhalten“, betont der Finanzverantwortliche. Nur durch gemeinsame Anstrengungen könne die Wallfahrtskirche Maria Scharten auch in Zukunft ein Ort der Hoffnung und des Glaubens bleiben. Die Vermietung von Räumen im Pfarrhof solle ebenfalls Einnahmen für die Renovierung lukrieren. Ein großer Teil des ersten Stocks steht leer. „Diese Räume sind besonders hoch. Sie würden sich zum Beispiel gut für Ordinations- oder Therapieräume eignen“, sagt Erich Hölzl.


Informationen zum Spendenkonto für die Renovierung: 
www.dioezese-linz.at/maria-scharten

 

 

Lange Pilgertradition 

Die Wallfahrtskirche Maria Scharten wurde ab 1506 erbaut, nachdem der Vorgängerbau aufgrund von Baufälligkeit abgerissen werden musste. Der Standort der Kirche wurde der Legende nach aufgrund einer „Lichter-Erscheinung“ gewählt. 
Die Weihe der Kirche und des Altars fand wegen der Religionskämpfe erst 1671 statt und die Kirche entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem der größten Wallfahrtsorte des Landes. Auch gekrönte Häupter wie Kaiser Ferdinand  III. (1646) und Kaiser Leopold I. (1648) pilgerten, nachdem die Türken nach monatelanger Belagerung Wiens besiegt worden waren, mit dem gesamten Hofstaat nach Scharten. 

 

Heute ist die Wallfahrtskirche Maria Scharten wieder ein beliebtes Ziel für Einzel- und Gruppenwallfahrer:innen, die für ihre Anliegen beten und Kerzen anzünden. Besonders in der Zeit der Baumblüte wird die Kirche als „Garten Gottes“ wahrgenommen. Die Gnadenstatue, die 1510 in der Kirche aufgestellt wurde, überstand zahlreiche Zerstörungen, darunter die Bauernkriege und den Zweiten Weltkrieg, und ist bis heute ein zentrales Element der Wallfahrt. 

Der leicht schief geneigte Kirchturm von Scharten.
Der leicht schief geneigte Kirchturm von Scharten.
© Pfarre / Mario Oberlaber
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