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Entwicklungszusammenarbeit ist wichtig für den Frieden

KIRCHE_ÖSTERREICH

Die katholische Entwicklungszusammenarbeit könnte einen großen Teil ihrer staatlichen Förderungen verlieren. Das hätte Auswirkungen auf wesentliche Bereiche.

Ausgabe: 13/2026
24.03.2026
- Monika Slouk
Sigrid Kickingereder, Geschäftsführerin der Katholischen Jungschar Österreichs. (Foto)
Sigrid Kickingereder, Geschäftsführerin der Katholischen Jungschar Österreichs. (Foto)
© Slouk

Mehr als 100.000 Ehrenamtliche sind im Einsatz – Kinder, Jugendliche, Erwachsene – damit die Sternsinger über 20 Millionen Euro Spenden zusammentragen. Das grandiose Ergebnis der Dreikönigsaktion 2026 wurde diese Woche bekanntgegeben. Die Menschen in Österreich öffnen trotz Inflation und persönlichen Sorgen ihr Herz und sind bereit, mit Menschen im globalen Süden zu teilen.


Anders sieht es bei der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit (EZA) aus. Während Finanzmittel dafür in den vergangenen zwei Jahrzehnten einmal mehr, einmal weniger zur Verfügung standen (nie jedoch auch nur annähernd das Ziel von 0,7 Prozent des BIP erreichten), wird seit dem Doppelbudget 2025/26 eisern gespart. Auch die Aussichten auf das Budget 2027/28 sind alarmierend. Derzeit ist das Budget in Ausarbeitung, konkrete Zahlen liegen noch nicht vor, aber handfeste Informationen sind bereits im Umlauf. Erwin Eder, Geschäftsführer der entwicklungspolitischen Dachorganisation „horizont3000“, spricht von Kürzungen in einem enormen Ausmaß: „Gemäß aktuellen Aussagen der Austrian Development Agency (ADA) drohen ‚horizont3000‘ bei zwei ADA-Programmen für die Programmphase 2027–2030 Kürzungen von fast zwei Drittel des derzeitigen Volumens.“ 

 

Große Unterschiede


Die staatlichen Fördermittel für die EZA-Organisationen dienen dazu, die Spenden aus der Bevölkerung zu verstärken und damit noch wirkungsvollere Entwicklungszusammenarbeit zu ermöglichen. Erwin Eder von „horizont3000“ hat Verständnis dafür, dass es Sparmaßnahmen geben muss, um ein verantwortbares Budget zu erreichen. Kein Verständnis gibt es aber dafür, dass die als besonders verlässlich bekannten katholischen Organisationen mit weit höheren Kürzungen zu rechnen hätten als andere Player im EZA-Bereich. „‚horizont3000‘ und ihre Mitgliedsorganisationen wären doppelt so stark von EZA-Kürzungen betroffen wie andere Akteur:innen,“ fasst der Geschäftsführer das drohende Szenario zusammen.

 

Hilfe würde eingestellt

 

Sigrid Kickingereder, Geschäftsführerin der Katholischen Jungschar, die die Dreikönigsaktion (DKA) betreibt, ist mit „horizont3000“ eng verbunden – die Dreikönigsaktion ist Gründungsmitglied der Dachorganisation und gehört zu deren größten Mitgliedsorganisationen. Für die weltweiten Projekte der Dreikönigsaktion würden die großen Einsparungen im Bereich der EZA einen großen Dämpfer bedeuten. „Wenn staatliche Fördermittel in dieser Größenordnung wegfallen, können wir das nicht mit Spendengeldern allein auffangen. Das heißt, es müssten bisher erfolgreiche Entwicklungsprojekte eingestellt werden, sei es in Zentralamerika, sei es in Ostafrika.“

 

Expertise ginge verloren


Komplett wegfallen würde wohl der Austausch von Fachleuten. Das sind jene Expert:innen, die man früher „Entwicklungshelfer“ nannte, die bei großen Projekten wichtiges Know-how liefern und die heute nicht mehr nur aus Europa in den globalen Süden geschickt werden, sondern immer häufiger aus einem Land des Südens in ein anderes Land des Südens. Wenn dieses Programm, wie befürchtet, insgesamt auslaufen würde, ginge dabei ein über die Jahrzehnte erworbener Erfahrungsschatz verloren, wie Erwin Eder betont. In dasselbe Horn stößt Anja Appel, Leiterin der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Zusammenarbeit und Weltkirche (KOO). „Das wäre aus unserer Sicht ein großer Schaden, weil dann viel an Struktur und Expertise kaputtgeht. Ich nehme an, dass diejenigen, die darüber entscheiden, sich nicht bewusst sind, wie viel da verloren geht und wie viel Schaden das auf Dauer anrichtet.“

 

Kinderschutz ist wichtig


Die Dreikönigsaktion wäre in diesem Fall direkt betroffen, schildert Sigrid Kickingereder das Problem. „Die DKA ist ganz stark in Fragen der Kinderrechte und des Kinderschutzes. Dafür braucht es Fachwissen. Aber aus heutiger Sicht werden die Personaleinsätze von der
Austrian Development Agency zur Gänze eingestellt.“

Partner:innen im globalen Süden sind hellhörig. „Für sie ist es sehr irritierend, dass die Beratung in diesem Bereich nicht mehr möglich sein soll.“ Kickingereder selbst war im Februar in Kenia, wo sie einen sogenannten „Süd-Süd-Personeneinsatz“ kennengelernt hat. Das habe sie als äußerst kon-struktiv und wirksam wahrgenommen. Die Verantwortung für den globalen Süden könne man nicht einfach ablegen, besonders jetzt, da es „in der Welt so viel Instabilität“ gebe. Alle Arten der EZA würden auch Stabilität und Frieden fördern. 

 

Bischöfe für Augenmaß


Auch die Österreichische Bischofskonferenz beschäftigte sich bei ihrer Frühjahrsvollversammlung mit dem Thema und nahm es in ihre Schlusserklärung auf: „Die geplante Kürzung staatlicher Mittel im Bereich der Entwicklungshilfe verfolgen die Bischöfe mit großer Sorge“, steht da. Es sei eine christliche Grundüberzeugung, durch Entwicklungszusammenarbeit den Ärmsten in der Welt beistehen zu müssen. Das Zusammenwirken von kirchlichen Hilfswerken und öffentlicher Entwicklungszusammenarbeit sei eine langjährige Erfolgsgeschichte. „Wir Bischöfe plädieren daher dafür, bei notwendigen Budgeteinsparungen maßvoll umzugehen, um bewährte und international anerkannte Strukturen und Programme nicht nachhaltig zu beschädigen.“        

 

 

HINTERGRUND _ 

 

Gemeinsam stärker


Elf katholische Organisationen, die sich im Bereich Entwicklungszusammenarbeit einsetzen, haben eine gemeinsame Dachorganisation namens „horizont3000“. Diese wurde im Jahr 2000 gegründet, um die Arbeit der Mitgliedsorganisationen zum Beispiel im Bereich Fördermittelanträge zu bündeln. Außerdem können gemeinsam größere Projekte umgesetzt werden als von den einzelnen Organisationen. Die Kompetenz von „horizont3000“ wird im Außenministerium geschätzt. Erst 2025 wurde es als „Best Practice“ bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Geschlechtergerechtigkeit genannt. „horizont3000“ hat seinen Sitz in Wien und Büros in den vier Schwerpunktgebieten Ostafrika, Zentralamerika, Senegal und Mosambik.

 

Was „horizont3000“ bringt


Die Arbeit von „horizont3000“ verfolgt drei Ziele: Sichere Lebensgrundlagen (das bedeutet Ernährungssicherheit, nachhaltige Landwirtschaft, faires Einkommen, menschenwürdige Arbeit, Umweltschutz und Klimaschutz), die Stärkung der Zivilgesellschaft (im Sinne der Menschenrechte, Gleichstellung der Geschlechter, Frieden und Demokratisierung) und Wissen teilen (in Form von Beratung und Wissensmanagement).
Organisationen und Initiativen im globalen Süden unterstützt „horizont3000“ finanziell sowie durch mittel- bis langfristige Beratungsdienste und Wissensmanagement.

 

Wer dazugehört

 

Die elf Mitglieder von „horizont3000“ sind: Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, Katholische Frauenbewegung Österreichs, Caritas Österreich, plan:g, Bruder und Schwester in Not – Diözese Innsbruck, Welthaus Diözese Graz-Seckau, Diözesankommission für Weltkirche und Entwicklungszusammenarbeit Erzdiösese Wien, Sei so frei – Salzburg, Bruder und Schwester in Not – Diözese Gurk-Klagenfurt, Bruder und Schwester in Not – Diözese Feldkirch, Sei so frei – Diözese Graz-Seckau.   

 

Anja Appel, Leiterin der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Zusammenarbeit und Weltkirche (KOO).
Anja Appel, Leiterin der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Zusammenarbeit und Weltkirche (KOO).
© Rupert Pessl
Erwin Eder, Geschäftsführer von „horizont3000“.
Erwin Eder, Geschäftsführer von „horizont3000“.
© horizont3000
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Beate Mayerhofer-Schöpf ist Theologin und Referentin für Spiritualität im  Pastoralamt der Erzdiözese Wien.

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