Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
Am 14. April 1996 trafen sich Gehörlose aus ganz Österreich in Linz. Bestandteil der Zusammenkunft am Weißen Sonntag war ein Gottesdienst, der in der Stadtpfarre Urfahr stattfand. „In dieser Pfarre, deren Pfarrer Helmut Part auch Gehörlosenseelsorger der Diözese Linz ist, wird seit fünf Jahren bei Gottesdiensten regelmäßig in die Gebärdensprache gedolmetscht. Der Pfarrer und mehrere pfarrliche Mitarbeiter haben die Gebärdensprache erlernt. Gehörlose Gottesdienstbesucher fühlen sich willkommen und ernst genommen. Erst die Übersetzung ermöglicht ihnen das aktive Mitfeiern“, berichtete die Kirchenzeitung. Bereits am Vortag hatten knapp 1.000 Teilnehmer:innen in der Linzer Innenstadt demonstriert und dabei gegen die Benachteiligung von Gehörlosen protestiert. Die Gehörlosenorganisationen wandten sich vor allem gegen die „lautsprachliche Zwangserziehung“ in den Gehörlosenschulen, während Gebärdensprache bestenfalls als Freifach angeboten wurde. Sie forderten, dass diese offiziell als eigenständige Sprache anerkannt werden sollte.
Es sollte jedoch noch über neun Jahre bis zum Sommer 2005 dauern, als sich die Parlamentsparteien schließlich über die gesetzliche Anerkennung der Gebärdensprache einig wurden und sie in die Verfassung aufnahmen. Dass das damit verknüpfte Ziel, Chancengleichheit für gehörlose Menschen im österreichischen Bildungssystem zu erreichen, bislang kaum verwirklicht wurde, wird von Vertreter:innen der Gehörlosen nach wie vor beklagt. Weitere Gesetze, um Barrieren für gehörlose Menschen abzubauen, blieben weitgehend aus, kritisierte die Präsidentin des Gehörlosenbundes aus Anlass des 20-Jahr-Jubiläums der Anerkennung im Herbst 2025.

Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
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