Hannah Bilgeri MA ist Pastoralassistentin in Ausbildung in der Pfarre Bruder Klaus in Dornbirn Schoren.
Wer, wenn nicht wir, so fragen sich viele Großeltern, erzählt den Enkeln noch von Gott, wenn wegfällt, was früher selbstverständlich war? Von wem erfahren sie das Angebot Gottes? Geht das nicht mit der Zeit unter, wenn sie es nicht selbst einbringen? Sie stellen fest, dass ihre Enkel weit mehr, als sie es selbst als Kinder waren, vielen Einflüssen ausgesetzt sind, nicht zuletzt durch die sozialen Medien. Solange sie kleine Kinder sind, sind sie nicht in der Lage, eigene große Entscheidungen zu treffen. Sollen die Großeltern, wo es um den Glauben und dessen Vermittlung geht, das Feld ganz den anderen Influencern überlassen?
Dazu kommt: Bei der Weitergabe des Glaubens geht es nicht nur um Glaubensvermittlung. Es geht vor allem um eine Erfahrung.
Eine Pfarrerin berichtet davon, wie viel ihr als Kind das Abendgebet mit der Mutter bedeutet habe. Sie kuschelte sich dabei an ihre Mutter und spürte in diesen Momenten eine große Geborgenheit. Es war für sie eine schöne, positive Erfahrung, die sie mit Gott in Verbindung brachte.
Diese Erfahrung, auf die sie nicht verzichten möchte, hat bis heute ihr Bild von Gott und ihr Vertrauen auf Gott geprägt. Die Erfahrung reiht sich ein in andere religiös geprägte Erlebnisse in der Familie, zu denen die gemeinsam begangenen religiösen Feiern zählten. Diese religiöse Erfahrung im Schoß der Familie behält auch dann ihre Kraft, wenn man die Familie verlassen hat, und kann sich im Alltag als wichtige Reserve erweisen. Es ist wie ein inneres Erbe, das einem unabhängig vom Wandel der Zeiten und den Zufällen des Lebens weitergegeben wurde.
Geht da nicht etwas verloren, so sehr auch Kinder und Enkel auf eine andere Weise Erfahrungen machen, die ihnen das geben, was ihre Eltern und Großeltern im Glauben und in der religiösen Tradition ihrer Familie gefunden haben? Da ist der Vater, der am Abend seinem Sohn eine Gute-Nacht-Geschichte erzählt, während sich das Söhnchen an ihn schmiegt. Oder es gibt die Oma, die einfach da ist und die Enkelin liebevoll in den Armen hält, wenn sie weint, und dabei zur Beruhigung ein Kinderlied singt. Sie vermitteln auch ohne religiösen Bezug Erfahrungen von Sicherheit, Nähe und Geborgenheit, die über den Moment hinausgehen und im späteren Leben als Stütze erlebt werden können.
Dabei verkenne ich nicht, dass vieles an religiösen Angeboten untergehen, unbeachtet bleiben wird, wenn es im Alltag einer Familie keine Rolle mehr spielt und dort nicht länger erlebt wird. Hier möchte ich Großeltern Mut machen, darauf zu vertrauen, dass ihre religiösen Einstellungen und Haltungen abfärben. Der Komiker Karl Valentin soll gesagt haben: Man kann die Kinder nicht erziehen, sie machen einem sowieso alles nach. Das gilt ähnlich auch für die Enkel und da auch für den religiösen Bereich. Auch sollten Großeltern bedenken, dass es außer ihnen weitere Personen gibt – Bekannte, Freund:innen, Paten, Seelsorgende –, die Einfluss darauf haben, ob ihre Enkel dem Religiösen eine Bedeutung beimessen.
Wunibald Müller: Enkel ohne Gott?
Wenn der Glaube in Familien verloren geht.
Verlag Herder 2026, 192 Seiten,
Hardcover 22,70 €, eBook 16,99 €

Hannah Bilgeri MA ist Pastoralassistentin in Ausbildung in der Pfarre Bruder Klaus in Dornbirn Schoren.

Birgit Kubik, 268. Turmeremitin, berichtet von ihren Erfahrungen in der Türmerstube im Mariendom Linz. >>
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