Lukas Pallitsch, Dr., PhD, ist Universitätsassistent (post-doc) am Institut für Religionspädagogik und Katechetik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien sowie Beauftragter der Diözese Eisenstadt für den christlich-jüdischen
Oder: Wie können wir beten?
Beten tut gut, ist aber gar nicht so einfach. Was mich tröstet: Selbst Expert:innen können dabei manchmal Unterstützung gebrauchen. In Sachen Gebet war der heilige Franziskus ja eigentlich ein Profi, zumindest hatte er viel Übung darin. Und trotzdem gab es offensichtlich auch bei ihm Phasen, in denen er sich leer fühlte, wo selbst ihm keine Worte für Gott mehr einfallen wollten. Dann, so erzählen die alten Geschichten, habe er sich traurig zurückgezogen – und in mindestens einem Fall nicht in eine Einsiedelei, wo Gebetszeiten geregelt und gestützt waren – sondern buchstäblich in sein inneres Schneckenhaus: In die hinterste Ecke der Niederlassung seiner Brüder hatte er sich verkrochen und wollte nichts und niemanden mehr sehen.
Neben diesem abseitigen Unterschlupf stand ein Feigenbaum, und darin zirpte eine Grille. Franz hörte sie und dachte traurig: „Dieses Insekt lobt Gott viel besser als ich.“ Er streckte seine Hand aus und rief: „Schwester Grille, komm zu mir!“ Er hatte diese Angewohnheit, auch Tiere oder Gestirne als Brüder und Schwestern zu bezeichnen. Der Heilige hielt also der Grille die Hand hin, und sie kam tatsächlich näher. Er berührte sie sanft mit seinem Finger und bat verzweifelt: „Sing du für mich heute das Lob Gottes.“ Und was tat das Tier? Es sang und jubilierte wunderschön und klar. Franz konnte aufatmen. Aber die Grille hörte nicht auf, bis er in dieses besondere Gebet mit einstimmte. Als wollte sie sagen: „Ich unterstütze dich, aber ich mache es nicht für dich.“
Das Ganze ging acht Tage lang so. Dann war der Heilige innerlich wieder auf den Beinen, traute sich das Beten wieder alleine zu und sagte zur Grille: „Jetzt darfst du gehen!“ Er scherzte sogar mit seinen Brüdern
und meinte: „Geben wir unserer Schwester Grille nun Urlaub. Sie hat uns mit ihrem Lied wieder fröhlich gemacht.“ Das Insekt schien das ähnlich gesehen zu haben, jedenfalls verschwand es spurlos, nachdem es diese Tage „ununterbrochen wie angebunden“, so heißt es, in dem Feigenbaum vor Franziskus’ Hütte gesessen war. So lange konnte er die Initiative zum Gebet abgeben und musste nicht daran verzweifeln, dass er es gerade einfach nicht alleine schaffte.
Ich bräuchte auch manchmal einen solchen „Gebets-Coach“, der mir sagt: „Ich übernehme das für dich. Aber wenn du wieder bei Kräften bist, dann stimme einfach mit ein.“ Immer, wenn mir jemand sein oder ihr Gebet zusagt, denke ich: Was für ein Geschenk! Und wenn ich andere mit ins Gebet nehme, dann spüre ich, was für eine intensive Form von Verbindung das ist. Die gute alte Fürbitte hat große Kraft, und sie muss gar nicht lang sein. Da reichen manchmal schon ein guter Gedanke oder eine brennende Kerze.
Buchtipp:
Bruder Feuer und Schwester Licht – Franz und Klara von Assisi,
Zwei Lebensgeschichten im Dialog. Von Martina Kreidler-Kos und Nikolaus Kuster OFMCap, Patmos 2026, 376 Seiten, Euro 23,95
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„Schwester Zikade“: So spricht Franziskus das Tierchen im lateinischen Originaltext von Thomas von Celano an. Die deutsche Überlieferungstradition hat die in Italien verbreitete Zikade als Grille „inkulturiert“. Die beiden sind zwar nur entfernt miteinander verwandt, haben aber eines gemeinsam: Ihr Zirpen und Singen bilden die Hintergrundmusik des Sommers.
Bescheidenheit und Lebensfreude
Franziskus ist für mich eine außergewöhnliche Persönlichkeit: bescheiden, friedfertig und mit großer Liebe Gott, den Menschen und allen Geschöpfen zugewandt. Besonders berühren mich seine Lebensfreude und seine Fähigkeit, Menschen auf Augenhöhe zu begegnen.
In meinen 46 Jahren als Franziskanerin von Vöcklabruck durfte ich viel von Franz von Assisi erfahren. Besonders die Besuche an den heiligen Stätten in Assisi waren für mich eine große Freude und ein tiefes inneres Erlebnis – ein Berührtsein von Franziskus, das sich kaum in Worte fassen lässt.
Für mein persönliches Leben sind Geschwisterlichkeit, Vertrauen, Versöhnung, Frieden, Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Offenheit, Dankbarkeit, Freude, Solidarität und Einfachheit als Kernelemente franziskanischer Spiritualität von großer Bedeutung. Ich versuche, diese Haltungen im Alltag, in meiner Gemeinschaft und in meiner Arbeit zu leben und zu verwirklichen.
Besonders am Herzen liegt mir der Dialog mit Menschen anderer Religionen und Kulturen. Andersdenkende nicht als Feinde zu betrachten, sondern ihnen offen und wertschätzend zu begegnen, wie es Franziskus vorgelebt hat, empfinde ich als große Bereicherung.
Ich möchte Gott loben und preisen, meinen Lebensstil einfach gestalten, Menschen auf Augenhöhe begegnen, Frieden bringen, mit den Menschen solidarisch sein und die Schöpfung als unsere Mitwelt achten. Dankbarkeit und Freude gehören für mich ebenso dazu wie die Bereitschaft, das Fremde wertzuschätzen.
Ich bin sehr gerne Franziskanerin von Vöcklabruck. Dieser Weg bedeutet für mich, mit Liebe, Offenheit und Freude den Menschen, Gott und der Schöpfung zu dienen und so meine Berufung zu leben.
Hinweis: Impulse
800 Jahre nach seinem Tod bewegt Franz von Assisi noch immer. Sr. Teresa Hametner, Franziskanerin von Vöcklabruck, nimmt das Jubiläumsjahr zum Anlass für eine ganz persönliche Reise zu „ihrem Franziskus“. Am 3. jedes Monats erscheint ein neuer Impuls, der eine überraschende Facette des hl. Franz von Assisi aufleuchten lässt.
Zum monatlichen Franziskus-Impuls:
www.franziskanerinnen.at/franziskus-jubilaeumsjahr

Lukas Pallitsch, Dr., PhD, ist Universitätsassistent (post-doc) am Institut für Religionspädagogik und Katechetik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien sowie Beauftragter der Diözese Eisenstadt für den christlich-jüdischen

Birgit Kubik, 268. Turmeremitin, berichtet von ihren Erfahrungen in der Türmerstube im Mariendom Linz. >>
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