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Ein Fest, das uns alle betrifft

Glaube

Die Diskussion um den Karfreitag brachte heuer die Feiertage wieder in die Diskussion. Zum Teil wurde beklagt, dass deren Hintergründe heute wenig bekannt seien. Anlässlich so mancher (gesetzlicher oder rein kirchlicher) Feiertage in diesen Wochen, werfen wir einen Blick auf sie. 
 

Ausgabe: 22/2019
28.05.2019
- von Dr. Liborius Olaf Lumma
Christi Himmelfahrt auf einer Ikone: kein heimlicher Abschied, sondern ein Geschehen, das Hoffnung für alle Menschen in sich trägt.
Christi Himmelfahrt auf einer Ikone: kein heimlicher Abschied, sondern ein Geschehen, das Hoffnung für alle Menschen in sich trägt.
© kathbild.at/Rupprecht

Feiertage

Mit dem Glauben durch die Zeit

Teil 1 von 5

 

 

Das Fest der Himmelfahrt Christi verdanken wir – wie so vieles – der christlichen Feierpraxis in und um Jerusalem ab dem 4. Jahrhundert. Als das Christentum zur Staatsreligion des Römischen Reichs wurde, etablierten sich die biblischen Stätten als bedeutende Wallfahrtsorte. Wie dort Gottesdienst gefeiert wurde, hatte Strahlkraft für die gesamte Christenheit.
Was sich damals in Jerusalem entwickelte, erscheint uns heute so selbstverständlich, dass wir gar nicht mehr darüber nachdenken; damals aber war es neu: Man gestaltete das Kirchenjahr entlang der biblischen Erzählungen mit ihren Orts- und Zeitangaben. Die Gemeinde von Jerusalem feierte – im Beisein vieler Pilgerinnen und Pilger – ihre Feste, indem sie sich in großen Gottesdiensten am entsprechenden Tag zur entsprechenden Zeit am entsprechenden Ort versammelte und dabei die entsprechenden Bibeltexte und viele andere biblische Stellen las, die Verbindungslinien in die gesamte Geschichte und den Glauben Israels und der christlichen Kirche aufzeigten.

An Ostern geknüpft. Besonders rund um Ostern wurde diese Art des Feierns entlang biblischer Orts- und Zeitangaben wichtig. Das Osterfest selbst war davor eine einzige Nachtwache, in der der gesamte Glaube an die Schöpfung, die Befreiung Israels aus Ägypten, die biblische Prophetie, die Erlösung durch Kreuz und Auferstehung Jesu und die bevorstehende Vollendung der Welt ausgedrückt wurde. Daraus wurden jetzt in Jerusalem Gottesdienste an mehreren Tagen entlang der biblischen Überlieferung. So entstand der Gründonnerstag mit dem Gedenken an die Taten Jesu am Abend vor seinem Tod. So entstand der Karfreitag mit der Verehrung des Kreuzes am Golgothafelsen, zumal man überzeugt war, das Originalkreuz Jesu gefunden zu haben – das war der Beginn der Kreuzverehrung in unserer heutigen Karfreitagsliturgie.
Auch Osternacht und Ostersonntag mit der Lesung der Osterevangelien nahmen Gestalt an. Der Palmsonntag mit der Erzählung vom Einzug Jesu in Jerusalem (fünf Tage vor dem Kreuzestod) und der Vorausschau auf sein bevorstehendes Schicksal am Kreuz wurde dem Osterfest vorangestellt. So entstand auch Pfingsten – sieben Wochen nach Ostern –, das uns im zweiten Teil dieser Reihe beschäftigen wird.
Als Letztes trat im 5. Jahrhundert Christi Himmelfahrt hinzu, mit der Apostelgeschichte (1,1–11) als biblischer Grundlage mit genauer Angabe, dass es sich um die Zeit 40 Tage nach Ostern handelt (Vers 3). Von Jerusalem aus verbreitete sich Christi Himmelfahrt überallhin. Alle großen christlichen Traditionen kennen und feiern dieses Fest. Wie bei jedem Fest liegt der tiefste Sinn nicht darin, irgendwelche geschichtlichen Ereignisse zu bewundern, sondern es geht um etwas, das uns alle betrifft: Das Christentum lebt aus der Hoffnung, dass der ganze Mensch – Leib und Seele – mehr ist als nur irdisch, vergänglich und sinnlos. Das ist in Christus vorausgezeichnet, und das soll und kann und wird auch unsere eigene Wirklichkeit sein. «

Dr. Liborius Olaf Lumma  Privatdozent für Liturgie- wissenschaft und Sakramententheologie (Universität Innsbruck)
Dr. Liborius Olaf Lumma Privatdozent für Liturgie- wissenschaft und Sakramententheologie (Universität Innsbruck)
© Christian Wucherer
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