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Das große Fest - Weihnachtsgeschichte von Cornelius Obonya

GLAUBENS_GUT

Kammerschauspielerin Elisabeth Orth mochte Weihnachten nicht. Warum sie für ihren Sohn, den späteren Kammerschauspieler Cornelius Obonya, den Heiligen Abend trotzdem zauberhaft gestaltete (auch, als er schon erwachsen war), schildert dieser in seinen Weihnachtserinnerungen.

Ausgabe: 51/52 2025
16.12.2025
- Cornelius Oboya
Der kleine Cornelius (Obonya) zu Weihnachten, umgeben von den Eltern und dem Kindermädchen. Alle haben zur festlichen Gestaltung des Heiligen Abends beigetragen.
Der kleine Cornelius (Obonya) zu Weihnachten, umgeben von den Eltern und dem Kindermädchen. Alle haben zur festlichen Gestaltung des Heiligen Abends beigetragen.
© Obonya

Weihnachten war für mich immer schon DAS große Fest, ein Ereignis. Meine Eltern haben mir wunderschöne Weihnachten gestaltet. In meinen frühen Kindheitsjahren, als mein Vater noch lebte, gab es immer einen Baum. Es musste unbedingt eine Silbertanne sein, und sie musste groß sein. So groß, dass sich die Spitze unter der Zimmerdecke bog. Am 24. Dezember, wenn ich tagsüber draußen spielen war, gab mir mein Vater eine Aufgabe. Ich sollte in gar keinem Fall im vorderen Teil des Gartens spielen, denn wenn das Christkind vorbeiflöge und ich es zu Gesicht bekommen würde, dann wäre alles vorbei, und es gäbe keine Geschenke. Das war natürlich fürchterlich und musste unter allen Umständen verhindert werden! Dennoch konnte ich mich des dringenden Bedürfnisses nicht erwehren, einmal doch um die Hausecke zu lugen, um es vielleicht zu sehen – ohne dass das Christkind mich sehen würde. Guter Plan! Nun: Ich sah es nicht und hatte noch dazu das unendlich schlechte Gewissen, dass ich es überhaupt versucht hatte. Ich „beichtete“ es meinen Eltern und erreichte zu meiner großen Erleichterung die Absolution. Die Geschenke waren gerettet!

 

Die Krippe hatte der Vater gebaut


Meine Mutter und mein Kindermädchen – sie war im Haus Mädchen für alles – schmückten nachmittags den Baum, während mein Vater mit mir ins Café Gröpl in Hietzing ging. Ich war furchtbar aufgeregt wegen der kommenden Geschenke. Zuhause kam dann das Christkind, selbstverständlich mit Glöckchen. Die Tür ging auf, mein Vater kam aus dem Wohnzimmer, und da war er, der geschmückte Baum! Mit Kerzen und Wunderkerzen. Gewundert habe ich mich damals unendlich über so viel Schönheit! Warmes, gelbliches Licht kam aus alten Lampenschirmen. Es gab auch immer eine Krippe, von meinem Vater, der tischlern konnte, selbst gebaut. Eine nahöstliche Version, nicht alpin. Und Geschenke gab es! Und das gesungene „Stille Nacht“. Und die Bibelgeschichte, gelesen von meiner Mutter. Erst danach durften die Geschenke rüde vom Papier befreit werden! Das war wichtig.


Die Weihnachtsgeschichte zu hören, war immer ein fantasievolles Erlebnis. Noch dazu gelesen von meiner Mutter, die Schauspielerin war. Dieser Klang ist mir sehr erinnerlich. Geholfen hat dabei auch, dass meine Mutter das auch später noch, über alle Jahre, getan hat. Ob es bei uns zu Hause war oder in meinen folgenden Wohnungen. Erst, als sie nicht mehr gut hören konnte, hat sie das mir überlassen. Und da meine Frau und unser Sohn das auch so wollen, mache ich das nun weiter, bis ich nicht mehr können werde.

 

Meine Mutter erleuchtete meine Seele


Im Übrigen hat meine Mutter Weihnachten immer gehasst, wie sie mir viele Jahre später gestand. Seltsam, was man doch alles für Kinder tut, auch wenn man es nicht mag. Es gab noch einmal ein Weihnachten, zu dem meine Mutter den Baum „groß“ gekauft und ihn auch geschmückt hat. Ich lebte damals aus beruflichen Gründen in Berlin und mochte die Stadt nicht. Als die Wohnzimmertür zuhause bei meiner Mutter aufging, war alles, wie es immer gewesen war, mit Glöckchen und all den Dingen, und diesmal meine Mutter, die aus der Tür kam. Das gelbliche Licht, der Glanz und die kindliche Erinnerung durchströmten mich so sehr, dass ich in Tränen ausbrach. Sie mochte Weihnachten vielleicht nicht, aber sie wusste genau, wie sie meine Seele erleuchten konnte, meine Mutter.


Also zurück in die Kindheit: Unfall gab es nur einen. Der Baum begann zu brennen – ein Ast der wie immer immensen Silbertanne neigte sich langsam unter dem Gewicht der Kerzen, des süßen Baumbehangs und der Figuren, unbemerkt in Richtung Krippe, die von einer Kerze beleuchtet war, damit man den Stern von Bethlehem besser sehe. Der Brand war zum Glück kurz. Der Schrei meiner Mutter und das herangeschaffte Glas Wasser beendeten ihn.

 

Die Vorbereitung ist Meisterleistung


Und heute? Der Baum ist immer noch – nein, nicht so groß. Er ist nur so groß wie ein erwachsener Mann. Da ich nicht besonders groß bin, ist er angemessen, wie ich finde. Das findet auch unser Sohn. Heute ist er zwanzig Jahre alt, hat eine Freundin und ist genauso begeistert von Weihnachten, wie meine Frau und ich es waren und sind. Auch wir schmücken und gestalten und organisieren und tun. Oft unter wahrlichen logistischen Meisterleistungen, auf die wir (wenn wir vor Müdigkeit dann einfach ins Bett fallen) wirklich stolz sind. Aber das Kindergesicht unseres Sohnes und seine auch heute noch leuchtenden Augen sind es wert.


Wir haben alles genauso gemacht, wie wir es, etwas unterschiedlich natürlich, als Kinder selbst erlebt hatten.


„Mach dir keine Sorgen, Mami!“


Wir feiern Weihnachten öfters auf dem Land, und für dieses Haus habe ich die Krippe meines Vaters nachgebaut. Wir singen, und wir lesen die Weihnachtsgeschichte. Dennoch gibt es Änderungen. Unser Sohn wollte immer schon, sobald er es „verstand“, den Baum mitschmücken! Das mochte ich anfangs nicht, aber mit den Jahren verstand ich dann: Warum eigentlich nicht?


Er beendete die „Ich glaube ans Christkind“-Zeit sehr charmant: Als meine Frau verzweifelt versuchte, seinen bestimmten Wunsch nach einem bestimmten Geschenk mit dem Hinweis auf das Christkind abzuwehren, das diesen Wunsch doch eher erfüllen könnte als die Eltern, und dass er doch dafür recht brav sein müsse, sagte er mit wissendem, leutseligem Lächeln: „Mach dir keine Sorgen, Mami! Ich weiß, dass ihr die Geschenke kauft, aber ich glaubʼ trotzdem ans Christkind.“ Nun, das war es. Und das tut er bis heute.

 

Ade zu schlechten Gewohnheiten


Unser Christbaum ist mittlerweile etwas anders. Wir bemühen uns jedes Jahr darum, ob es denn eine Möglichkeit gäbe, einen zu finden, den man wieder einpflanzen oder anderweitig wiederverwenden kann. Es gelingt immer besser. Aber noch lange nicht gut genug. Ich denke, es ist an der Zeit, sich von ein paar Dingen zu verabschieden. Zum Beispiel vom Einweg-Christbaum oder vom Plastik in Geschenken und in Verpackungen. Und auch von neueren liebgewordenen Dingen, wie von Online-Shops, wo es nicht nötig ist – also vom Bestellen von Sachen, die ich auch im Geschäft kaufen könnte. Es kostet mich ja nur den Weg dorthin, wie früher, als wir noch nicht so faul waren.


Einen Weihnachtswunsch haben wir noch. So wie auch unsere Freunde, Familie, Kolleginnen und Kollegen – ich kenne keinen, der ihn nicht hätte. Nein, ich meine nicht den Wunsch nach Weltfrieden – den wünschen wir uns natürlich! Aber einen anderen Wunsch habe ich an die Geschäftsleute: Hört bitte auf, uns (und besonders die Kinder) schon am 31. August mit Schokolade-Nikoläusen zu belästigen … Danke!
 

Cornelius Obonya mit seiner 2025 verstorbenen Mutter Elisabeth Orth.
Cornelius Obonya mit seiner 2025 verstorbenen Mutter Elisabeth Orth.
© APA-Images / First Look / Thomas Ramstorfer
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