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„Die Fastenzeit ist gesegnet, wenn Hoffnung von uns Christen ausgeht“

Glaube

Nicht Verzicht, sondern Umkehr und Umdenken sind die Impulse, die für Pater Anselm Grün von der heurigen Fastenzeit ausgehen sollen. Der bekannte spirituelle Autor verweist auch auf die Rolle von Christinnen und Christen bei der Vermittlung von Hoffnung.

Ausgabe: 07/2021
16.02.2021
- Heinz Niederleitner
Pater Anselm Grün gehört dem Benediktinerkloster Münsterschwarzach (Bayern) an.
Pater Anselm Grün gehört dem Benediktinerkloster Münsterschwarzach (Bayern) an.
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Eingeschränkte Kontakte, eingeschränkte Bewegungsfreiheit, weniger Einkommen aufgrund von Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit – ist vor diesem Hintergrund „Verzicht“ ein gutes Thema für die Fastenzeit 2021?
Pater Anselm Grün:
Viele Menschen müssen derzeit schon auf so Vieles verzichten. Da ist es kontraproduktiv, wenn wir groß von Verzicht sprechen. Ich würde in diesem Jahr andere Aspekte der Fastenzeit betonen: Erstens Umkehr und Umdenken. Das erwartet ja gerade die Corona-Krise von uns. Zweitens ist der Sinn der Fastenzeit nicht nur die Reinigung des Körpers, sondern auch des Geistes und der Emotionen. Das ist heuer eine wichtige Aufgabe, da unsere Emotionen durch die Lockdown-Vorschriften durcheinandergeraten sind. Wir müssen daran arbeiten, unseren Geist nicht von negativen Emotionen trüben zu lassen.


Waren die bisherigen zwölf Monate der Corona-Krise eine überlange Fastenzeit? Oder fehlt für eine Fastenzeit die Freiwilligkeit?
P. Anselm:
Es fehlt die Freiwilligkeit. Vor allem aber soll die Fastenzeit etwas Heilsames sein – für den Einzelnen, die Gesellschaft, sogar für die Erde. Das sollten wir betonen.


Was raten Sie Menschen, wie sie die Fastenzeit heuer anders als sonst begehen können?
P. Anselm:
Ein Weg könnte sein, sich vorzunehmen, nicht über andere zu reden. Gerade angesichts der Verschwörungstheorien wird viel darüber gesprochen, was andere angeblich vorhaben. Da werden die eigenen Probleme anderen umgehängt. Hier gilt es, bei sich selbst zu bleiben und nicht über andere zu richten.


Manche Menschen wenden sich in der Fastenzeit der Bibel zu. Haben Sie eine Leseempfehlung für die heurige, spezielle Fastenzeit?
P. Anselm:
Eine Möglichkeit wäre die Beschäftigung mit dem Buch Jeremia – nicht mit dem ganzen Buch, sondern mit den Kapiteln 12, 15, 20 und mit dem Hoffnungskapitel 31. Da geht es um die Hoffnung, dass Gott etwas Neues in uns schaffen wird.


Die Fastenzeit dient der Vorbereitung auf Ostern. Welche Hoffnung hegen Sie für das heurige Fest?
P. Anselm:
Natürlich habe ich die Hoffnung, dass zu Ostern wieder Gottesdienste gefeiert werden können und die äußeren Bedingungen sich ändern. Aber Ostern ist vor allem ein spirituelles Ereignis: die Hoffnung auf Auferstehung, neues Leben, das Gehen in eine neue Lebendigkeit hinein. In der Fastenzeit werden wir auch mit dem Leiden konfrontiert. Ostern ist die Hoffnung, nicht vom Leid beherrscht zu werden, sondern Lebendigkeit aus der Hoffnung zu schöpfen.


Was macht die Krise, die wir durch Corona erleben, mit unserem Glauben? Manche sehen darin einen Fingerzeig Gottes. 
P. Anselm:
Die Krise stellt uns die Frage, wer Gott für uns ist. Er ist der Grund allen Seins, auf den wir bauen können. Aber Jesus sagt auch, dass wir die Zeichen der Zeit deuten sollen, da sie zum Umdenken, zur Umkehr führen. Die Corona-Krise deckt auch menschliches Fehlverhalten auf, zum Beispiel, dass die Globalisierung auch große Nachteile haben kann, weil die ganze Welt angesteckt wird. Die Herausforderung ist, die Verbundenheit und Verantwortung füreinander auf andere Weise zu leben. Die Fastenzeit wäre die gute Gelegenheit, uns gegenseitig nicht mit dem Virus, sondern mit positiven Gedanken und Gefühlen anzustecken. Wir sind dafür verantwortlich, mit welchen Gefühlen wir in den Alltag gehen – ob von uns Bitterkeit und Aggressivität ausgehen oder Versöhnung und Frieden. Damit bekommt der Glaube die Kraft, die Welt positiv zu gestalten.


Im April erscheint eine Auswahl Ihrer Texte unter dem Titel „Jeder Tag ein Weg zum Glück“. Sollten wir uns nicht nur auf langfristige Pläne konzentrieren, sondern auch auf die Gestaltungsmöglichkeit in der Gegenwart?
P. Anselm:
Jeden Tag können wir tun, was möglich ist, um trotz der Schwierigkeiten Hoffnung zu weiterzugeben. Hoffnung ist nicht Zweckoptimismus, sondern der Hinweis, dass aus dem Scheitern neues Leben entstehen kann. Das sollten wir vermitteln und so in der Fastenzeit einen heilsamen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Denn die Fastenzeit ist nichts Privates für die Christen, sondern eine heilsame Zeit für die Gesellschaft. Wenn Hoffnung von uns Christen ausgeht, dann ist die Fastenzeit auch eine gesegnete Zeit. «  

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