Der „Roman eines Schicksallosen“ von Imre Kertész bringt auch vier Jahrzehnte nach seinem Erscheinen mit einem berührenden Menschenschicksal in Verbindung.
Ausgabe: 2013/36, Denk mal, ein Schicksalloser
04.09.2013
„Vier-und-sechzig, neun, ein-und-zwanzig“. So antwortet der Sechzehnjährige dem Pfleger auf dem Bettrand, der ihn nach dem Namen fragt. In den Konzentrationslagern hatten sie keine Namen, nur Nummern. Elf Jahre ist es her, dass Imre Kerzész die höchste Auszeichnung für Literatur erhalten hat. Sein „Roman eines Schicksallosen“ war wohl ausschlaggebend. Damals habe ich zwar etliches über ihn gelesen, das Werk selbst aber erst jetzt. Nach Erscheinen des Buches 1975 wurde es zunächst zehn Jahre totgeschwiegen. Erst nach einer Neuauflage gelang der Duchbruch. Mit dem 2002 verliehenen Literaturpreis war das durchaus umstrittene Werk praktisch in aller Munde. Kertész verharmlose die Zustände in den Konzentrationslagern, hieß es. Er beschreibt, wie die Hauptperson – fast noch Kind – versucht, sich als „ordentlicher“ Gefangener zu bewähren. Gerade aus dieser Perspektive nimmt sich die Gewalt umso schrecklicher aus. Solange, bis auch sein Lebenswille bricht. Auf dem Heimweg nach Budapest trifft er bereits auf die ersten, die im Verdrängen und Vergessen ihr Heil suchen. Gerade deshalb ist es gut, wenn dieser „Roman eines Schicksallosen“ auch heute gelesen wird.
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