Wer Sager sät, wird Ja-Sager ernten. Ein Unter Uns von Ernst Gansinger.
Ausgabe: 2013/38, Reden, Zuhören
18.09.2013
- Ernst Gansinger
Sie kommen an diesem Tisch in diesem Lokal oft zusammen. Sie haben ihren Stammplatz und ein Stammgetränk. Auch weichen sie nicht von der Tradition ab, für welchen Imbiss sie sich entscheiden. Sie kennen einander gut. Nichts kann sie mehr überraschen. Alles ist bekannt. So reden sie gleichzeitig, sprudeln durcheinander, was ihnen einfällt. Es geht nicht darum, gehört zu werden, sondern zu reden. Nur wer redet, ist da. Ohne Unterbrechung schütten sie Worte in den Wörtersee. Unmöglich ist es, daraus zusammenhängende Sätze zu fischen. Niemand ist mit Angel-Ohren ausgestattet, und wäre er es, er würde wohl die gefischten Worte wie zu kleine Fische wieder in den See zurückwerfen. Was treibt sie zu diesem See hin? Warum kommen sie immer wieder hierher? Lieben sie das Geräusch der Wörter, wenn sie aus dem Mund plumpsen? Und fühlen sie sich von Vorbildern gestärkt, die das Fernsehen transportiert? – Politiker-Debatten. Nicht miteinander reden und einander zuhören wird gezeigt, sondern aneinander vorbeireden. Wichtig ist die eigene Botschaft. Sie wird sich schon ihren Weg bahnen. Außerdem, wer Sager sät, wird Ja-Sager ernten. Doch Reden wäre Silber, Hören aber Gold.