Es ist Erntedankzeit. Das Fest wird gefeiert, wenn das große Absterben in der Natur schon begonnen hat. Anfang und Ende sind die Wiege, in die Gott das Leben gelegt hat.
Leitartikel von Matthäus Fellinger
Ausgabe: 2013/39, Wiege, Leitartikel, Anfang, Ende
24.09.2013
Vorne fangen die Dinge an – und am Ende, da hören sie auf. So ist es – allerdings nur in den seltensten Fällen. Mittendrinnen beginnt es, das Leben; hineingestellt und hineingeboren in eine Zeit erfährt sich der Mensch. Da ist vieles längst festgelegt, manches auch festgefahren. Die einen haben das Glück, in einer Zeit des Aufbruchs leben zu können, andere finden sich wieder in einer Zeit des Niedergangs und der Krisen. Es ist Erntedankzeit. Nicht in der Blütezeit des Jahres wird das Fest gefeiert, sondern erst wenn das große Absterben in der Natur schon begonnen hat. Die Ernte, das ist das Gute, das bleibt – und Nahrung geworden ist für Zeiten, in der das Leben nicht nach Wachsen steht. Die Anfänge und das Ende – sie gehören zusammen. Aussaat und Ernte – und dazwischen das Wachsen, und auch wieder das Kleiner- und Schwächerwerden. Mit Menschen ist es auch so. In der Blüte seines Lebens ist ein Mensch nicht wertvoller als ein anderer, der schon kraftlos geworden ist. Ob etwas ausgereift ist in seinem Leben, ob er geschenkt hat. Darauf kommt es an. Anfang und Ende. Dem Menschen stehen sie nicht zu. Göttliches Geheimnis bleiben sie, Wiege, in die Gott das Leben gelegt hat.