Das Schwere des Todes trifft die Angehörigen, die den Verlust zu tragen haben. Das tut weh. Aber das Schwerste muss nicht das Schlimmste sein. Ein Leitartikel von Matthäus Fellinger.
Ausgabe: 2013/44, Leitartikel, sterben
29.10.2013
„Man muss mit dem Schlimmsten rechnen“, sagt man unbedacht, wenn die Vermutung im Raum steht, dass ein Mensch wohl nicht mehr am Leben wäre. Der Tod, das Schlimmste von allem, das einem passieren kann? Aber was wäre das für ein Leben, das in jedem Fall schlimm endet – und welcher Platz bliebe dann für die Hoffnung, geschweige denn, für ein Hoffen über das Sterben hinaus? Dass er das Schwerste ist – der Tod – das wohl, vor allem, wenn er unerwartet kommt. Das Schwere trifft die Angehörigen, die den Verlust zu tragen haben. Das tut weh. Aber das Schwerste muss nicht das Schlimmste sein. Nicht Orte des Grauens suchen Menschen zu Allerheiligen und Allerseelen auf, wenn sie sich auf den Friedhöfen versammeln. Nicht mit dem Schlimmsten, mit dem Höchsten an Hoffnung werden sie dort in Berührung kommen: dass das Leben ein Ankommen hat, ein „Aufgenommen-werden“ in der Barmherzigkeit Gottes. Das wäre das Schlimmste, das einem passieren kann: wenn ein Mensch sich und sein Leben verliert im bloßen Dasein für sich selbst – ohne Glauben, ohne Liebe. Mit einem Wunder darf man rechnen, wenn des mit jemandem zu Ende geht.