Früher gab es so etwas wie ein Leben und Leben-Lassen zwischen Dienstgebern und Arbeitnehmern, meint der Gewerkschafter Franz Georg Brantner. Der Druck auf die Betriebsräte in den Unternehmen steige immer mehr an.
„Den Wandel gestalten – aber wie?“ Das fragte vergangene Woche die Katholische Sozialakademie. Mit am Tisch saß auch Franz Georg Branter, seit 1996 Betriebsratschef bei der Herba Chemosan Apotheker AG. Seit 13 Jahren sitzt er am Tisch der Kollektivvertragspartner, seit drei Jahren ist er Chefverhandler für rund eine halbe Million Handelsangestellte. Es war daher auch logisch, dass man ihn nach dem Ausscheiden von Renate Csörgitz fragte, ob er bereit wäre, einer der beiden Sprecher (neben Bischof Aichern, jetzt Schwarz) der Sonntagsallianz zu sein. „Ich habe mir das lange überlegt“, sagt Brantner, „denn ich finde es nicht gut, dass auf eine Frau ein Mann folgt. Lieber wäre mir gewesen, eine Frau hätte das gemacht.“ Aber weil der freie Sonntag gerade für die Handelsangestellten immer wieder auf dem Spiel steht, habe er dann zugesagt. „Und ich bin froh, dass ich das mache, nicht nur der Sache wegen, die mir ein großes Anliegen ist, sondern auch wegen vieler toller, engagierter Leute aus der Kirche, die ich kennenlernen durfte.“
Wandel in den Führungsetagen
Sorgen macht Brantner der Wandel in vielen Führungsetagen der Wirtschaft: „Früher gab es so etwas wie ein Leben und Leben-Lassen. Neben dem Anteil für den Unternehmer sollte auch ein fairer Anteil für die Arbeitnehmer und ein gerechter Beitrag für die Aufgaben des Staates übrigbleiben. Heute hat man den Eindruck, es muss immer mehr sein – für Unternehmer und Aktionäre.“ Zu dieser Strategie gehört es auch, die Arbeitnehmerrechte und -vertretungen zu schwächen. „In Österreich haben wir Gott sei Dank noch Kollektivverträge, die für 98 Prozent gelten. Da können Arbeitnehmer nicht so leicht an die Wand gespielt werden wie anderswo.“