Mit Papst Franziskus kam die Zuversicht in die katholische Kirche zurück. Dieses Aufkeimen an Hoffnung darf man sich nicht nehmen lassen. Ein Leitartikel von Matthäus Fellinger
Ausgabe: 2013/47, Leitartikel
19.11.2013
Arm und Reich. Das ist ein gewichtiges Thema unserer Zeit. Die Schere, sagt man, ginge immer weiter auseinander. Man meint damit, ob Menschen sich die nötigen Dinge zum Leben auch leisten können. Die einen in Luxus, die anderen in der Ungewissheit, was morgen sein wird. Es gibt eine andere Form an Armut, die nicht den Leib, aber die Seele hungern lässt. Es ist die Erwartungs-Armut: Dass Menschen sich nichts mehr erwarten – von der Politik nicht, überhaupt, von der Zukunft. Man könne ja ohnehin nichts ändern, sagen sie. Es kommt, wie es kommt. Auch in der Kirche war diese Erwartungs-Armut eine weit verbreitete Stimmung, fast eine Krankheit. Es würde nichts besser werden. Kein Geld wird mehr da sein. Die Jugend ist weg. Wir werden alt und sterben dahin.
Da kam Papst Franziskus. Selbst Skeptische horchen auf. Spannung ist da. Ein neues Erwarten.Dieses Aufkeimen an Hoffnung darf man sich nicht nehmen lassen. Kostbar ist es, denn ohne Erwartung bleibt das Leben leer. Kirche darf nicht mehr in den Machtapparat zurückfallen, der Hoffnung zudeckt – statt dass er sie weckt. Arme sind die erste Sorge der Kirche, auch die Armen an Hoffnung.