„Glaube! Und du wirst erfolgreich sein.“ Das ist auch ein recht gängiges Motiv. Aber wohin dann mit dem Unglück, mit allem, was schiefgeht? Ein Leitartikel von Matthäus Fellinger.
Ausgabe: 2013/48, Leitartikel
26.11.2013
- Matthäus Fellinger
Über 1000 Kunstwerke, die der Öffentlichkeit entzogen waren, wurden in einer Münchner Wohnung entdeckt. Von etlichen wusste man gar nicht, dass es sie gab. Eigentlich, sagten Experten, waren sie in einem sehr guten Zustand. Doch Bilder, die man im Verborgenen hält, haben keine Kraft. Sie berühren niemanden, verstören nicht, regen nicht an.
Mit den Bildern des Glaubens ist es nicht anders. Sie werden zu oft im Verborgenen gehalten – oder man lässt nur jene gelten, die zur persönlichen Lebenseinrichtung passen, sozusagen abgestimmt auf den Tapetenfarbton und den Möbelstil. Da lässt man nur Glaubensinhalte gelten, die „glücklich“ machen. Oder: „Glaube! Und du wirst erfolgreich sein.“ Das ist auch ein recht gängiges Motiv. Aber wohin dann mit dem Unglück, mit allem, was schiefgeht? Der Advent ist eine Einladung, den Bilderschatz des Glaubens ganz zu öffnen. Nicht nur die „Lieblingsmotive“, sondern eher die Liebes-Motive gilt es, ans Licht zu holen. Sie beruhigen nicht, sondern beunruhigen. Sie machen uns fähig, auf den Nächsten zuzugehen. Glaube verziert nicht bloß Lebensräume. Er motiviert.