Kinder haben ihren eigenen Zugang zum Glauben. Tiere kommen selbstverständlich in den Himmel. Und die eigene Mutter kann im Lied schon einmal heilig gesprochen werden. Ein "Unter uns" von Paul Stütz.
Ausgabe: 2013/48, Unter Uns
27.11.2013
Unsere Kinder werden größer und langsam, aber doch, immer selbstständiger. Die Angst, dass uns fad wird, hatten wir noch nicht. Trotzdem haben wir uns im Sommer vom Bauernhof zwei Katzen geholt, Findus I und Feli. Ich frage mich manchmal wie man so süße, kuschlige, kleine Mutzis nicht lieben kann und verwünsche sie dann doch ab und zu selbst. Etwa, wenn sie meine Wurstsemmerl anknabbern oder normales Katzenfutter verweigern und in den Hungerstreik treten (ja, das gibt es wirklich!). Findus I ist vor Kurzem gestorben. Ein Auto hat seinem Katzenleben ein jähes Ende gesetzt. Wir haben um ihn geweint und uns vor allem wegen Feli bald wieder einen Findus II geholt. Den Kindern haben wir gesagt, dass Findus I jetzt im Himmel ist. Nicht immer braucht es einen Anlass wie den Tod der Katze, damit sich die Kinder mit dem Glauben beschäftigen. Mir gefällt dabei ihr kindlicher Zugang. Wenn etwa meine Tochter im Auto ein Heilig-Lied leicht abgewandelt zum Besten gibt. „Mama, du bist heilig, lalala“, singt sie fromm, was ihr Bruder mit einem strengen: „Die Mama ist nicht heilig“, quittiert und dabei sehr laut wird. Allein: Ob es mir zu denken geben soll, dass sich die Kinder mit einer möglichen Heiligkeit ihres Papas noch nicht beschäftigt haben?