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Bescheidenheit ist eine Zier ...

Kommentar zum Sonntag
Ausgabe: 1998/35, Kommentar
25.08.1998
- Johannes Frank
. . . sagt eine sprichwörtliche Weisheit. Für einen Christen, eine Christin eröffnet sich durch die heutigen Lesungen allerdings noch eine tiefere Dimension: „Je größer du bist, desto mehr bescheide dich, dann wirst du Gnade finden bei Gott“ (Jes Sir 3, 18). Und: „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden“ (Lk 14, 11). Für einen gläubigen Menschen erweist sich die Bescheidenheit demnach als vom Evangelium geforderte Lebenshaltung an sich.Kennen Sie das auch: eine Einladung steht bevor. Was anziehen? Welches Thema anschneiden? Wie auftreten? Das Karussell der Eitelkeiten beginnt sich zu drehen. Dabei geht es meist gar nicht um die Anderen, sondern wir projizieren unser eigenes Idealbild. So stehen wir, anstatt einander zu begegnen, in Konkurrenz.Gewinnlose KonkurrenzFür diesen Konkurrenzkampf um den ersten Platz im Ansehen, im Beruf, in Macht, im Einschmeicheln, im Vorauswissen usw. gäbe es noch unzählige Beispiele aus dem täglichen Leben. Im heutigen Evangelium sagt uns Jesus aber klipp und klar, daß es in diesem Kampf nichts zu gewinnen gibt. Statt der ständigen Profilierungssucht wäre eine Haltung gefragt, die das Leben als Gast-sein-Dürfen im Reich Gottes begreift. Wer aus dem Gefühl des Beschenkt-Seins bzw. des Eingeladen-Seins heraus seinen Lebensweg gestaltet, gerät wie von selbst in die Fußspuren Jesu. Im Gehen dieses Weges wird dann schnell klar, daß es einzig darauf ankommt, wer wir vor Gott sind und nicht, wer wir in den Augen der anderen sind. Wer das begriffen hat, der wird sich auch schnell mit der Bescheidenheit anfreunden können.Daß es in den Augen Gottes auf den einzelnen ankommt und daß Gott an den Massen nicht interessiert ist, das konnte beim unlängst erfolgten Papstbesuch leicht in Vergessenheit geraten. Da ging es in der Diskussion vor allem um Besucherzahlen. Doch in der Masse schwinde(l)t die (der) Bescheidenheit.Das Offizielle gibt sich pompös, braucht viel Tamtam. Da werden rote Teppiche ausgerollt, Autobahnen gesperrt, goldene Türklinken geputzt und Hubschrauber eingesetzt. Nochmals: Jesus erklärt das unscheinbare, einfach menschliche Miteinander zum Entscheidenden. Deshalb sollten auch wir als Kirche nicht Getriebene sein unter den kritischen Augen der Öffentlichkeit, sondern uns in Bescheidenheit auf das Grund-legende rückbesinnen.Ich habe einen TraumIch träume davon, daß sich unsere Kirche bescheidet im Wissen um angeblich ewige Wahrheiten, daß sich unsere Kirche bescheidet in der Ausübung des Kirchenrechts zugunsten der Frohbotschaft, daß sich unsere Kirche bescheidet in der unbiblischen Diskriminierung von Frauen und nichtzölibatären Laien in der Zulassung zu allen Ämtern, daß sich unsere Kirche bescheidet in ihrer Haltung als Grenzwächterin zwischen den Konfessionen zugunsten einer brückenbauenden Ökumene, daß der Schreiber der August-Evangelienkommentare, wenn er gerne die Feder spitzt, nicht in Versuchung kommt zu meinen, das sei schon alles.
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