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Sorgen brauchen Antworten

Das Flüchtlingsthema ist allgegenwärtig – in der öffentlichen Diskussion, in den Debatten an den Stammtischen, in den besorgten Wortmeldungen von Christ/innen. Und es ist Arbeitsauftrag und Engagement-Anstoß.
Ausgabe: 2016/04, Politiker, Asylwerber, Obergrenze, Richtwert, Quartier,
26.01.2016
- Ernst Gansinger
Persönlichkeiten aus dem Dekanat Schwanenstadt haben ihre Sorge zu den vorgeschlagenen Maßnahmen in der Flüchtlingsfrage an ÖVP-Verantwortliche geschickt: an Vizekanzler Mitterlehner, Bundespräsidentschafts-Kandidat Khol, die Minister Kurz und Mikl-Leitner sowie an Nationalratsabgeordnete.

Die humanitäre Verpflichtung sehen


„Wir sind der Überzeugung, dass es unsere menschliche, rechtliche und auch aus christlicher Überzeugung humanitäre Verpflichtung und Pflicht ist, Menschen in Not zu helfen und Schutz zu gewähren.“ – So beginnt der Brief, den Dechant P. Josef Kampleitner, Pfarrverantwortliche und viele kirchlich Engagierte, auch Ordensschwestern aus dem Raum Vöcklabruck, unterschrieben haben. Asyl auf Zeit würde eine bürokratische Schwelle errichten, und neue Wartezeiten verursachen, sagen die Unterzeichner/innen. Obergrenzen können das Problem nicht lösen, dass neue Flüchtlinge ankommen. „Welche Lösungsvorschläge bieten Sie an, wenn die Obergrenze erreicht ist und gleichzeitig Flüchtlinge weiterhin um Asyl bitten?“,  fragen die Brief-Unterzeichner. Auch eine Kürzung der Mindestsicherung und die Erschwernis der Familienzusammenführung würden die Probleme verschärfen.

Die Ängste sehen


Maria Fekter, Nationalratsabgeordnete aus dem Bezirk Vöcklabruck, hat auf den Brief geantwortet, „beeindruckt“ von der Unterschriftenliste: „Bestürzt war ich, weil aus dem Brief erkennbar ist, dass christlicher Anspruch (den ich als Katholikin unterstütze) und das real Machbare (dem ich als Politikerin verpflichtet bin) fast unüberbrückbar auseinander klaffen.“ Fekter wirbt um Verständnis für die Politik: es gelte, die Ängste der Bevölkerung wahrzunehmen. „Wer sie artikuliert, ist nicht zwangsläufig ein rechter Hetzer oder schräger Wutbürger.“ Zu sehen seien auch die Kapazitätsengpässe bei den Unterkünften. Im Blick müsse auch die „kulturelle Kluft zwischen den toleranten Christen und den traditionsgeprägten Muslimen“ sein. Und auch die Tragfähigkeit des Sozialsystems dürfe nicht ausgeblendet werden. Politik muss also aufs Machbare schauen.

Die Verbesserungen sehen


Unterdessen geht die Arbeit der Sozialorganisationen und der vielen Ehrenamtlichen in Oberösterreich weiter.  Waren es vor einem Jahr 2000 private Helfer/innen, so sind es derzeit laut Landesrat Rudi Anschober deutlich über 8000. Diese immense ehrenamtliche Unterstützung freut auch die Verantwortliche der Caritas-Flüchtlingshilfe am Bahnhof Linz, Michaela Haunold. Tag für Tag kommen hier in die Caritas-„Drehscheibe“ etwa 150 Flüchtlinge: Asylwerbende, Zurückgewiesene, Flüchtlinge auf dem Transit durch Österreich und solche, die in die Grundversorgung vermittelt werden. Diese Woche übersiedelt die Drehscheibe ins ehemalige Postverteilerzentrum beim Bahnhof. Für die Flüchtlinge und die (ehrenamtlich) Helfenden kommen damit Verbesserungen: mehr Platz, eigene Räume für Aktivitäten sowie zum Ruhen und für Mütter mit Kindern, endlich auch Tageslicht.  Das Essen wird vom Roten Kreuz, das dort Transit-Flüchtlinge betreut, bereit gestellt. 

Die Hilfe für die Helfenden sehen


Bis zu 600 Ehrenamtliche haben seit September 2015 die Arbeit in der Drehscheibe mitgetragen. Sie packen an, wo sie gebraucht werden. Täglich arbeiten bis zu 30 mit. Viele sind selbst als Asylwerbende nach Österreich gekommen und dolmetschen jetzt.  Seit Jahresbeginn gibt es auch Austauschtreffen. BEZIEHUNGLEBEN unterstützt mit Beratung. Es bräuchte noch Ärztinnen und Ärzte für die Gesundenuntersuchung sowie Arabisch sprechende Supervisoren für die ehrenamtlichen Dolmetscher/innen.
Besondere Hilfe brauchen die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge. Etwa durch Pflegeeltern: Wer eine Pflegeelternschaft überlegt, kann sich an die jeweilige Bezirkshauptmannschaft bzw. an das Magistrat wenden. 
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